Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 23. August 2019

Ausgabe vom 03. August 1999

Das neue Buddenbrookhaus 2000

Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum wird ein Museum zum Anfassen

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Das weltweit bekannte Buddenbrookhaus in der Mengstra§e ist Sitz des Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrums, eine Kulturstiftung der Hansestadt Lbeck; Foto: Privat

Thomas Mann hat Lübeck als literarischen Ort weltweit berühmt gemacht wie sonst nur Dostojewski sein St. Petersburg. Da das Buddenbrookhaus noch existent ist und die immerfort gestellte Frage "Sieht man denn auch, wie die Buddenbrooks gelebt haben?" endlich beantwortet werden soll, wird das Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum erweitert:Die beiden Räume in der Bel-etage mit dem seit Generationen unveränderten Blick auf St. Marien werden historisch aufgearbeitet. Hier entstehen das Götter- und das Landschaftszimmer mit der Säulenhalle davor. Denn hier hat der junge Thomas Mann seine Großeltern besucht, in diese Wohnlandschaft projizierte er die "Buddenbrooks"-Personen. Schließlich hat rund die Hälfte der Romanhandlung hier ihren Dreh- und Angelpunkt.

Die Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck hat sich also entschlossen, ihr weltweit renommiertes Literaturmuseum heutigen Ansprüchen anzupassen. "Das Konzept wird erweitert", erklärt Dr. Hans Wißkirchen, Leiter des Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrums. Der Museumsshop im Erdgeschoß wird vergrößert und attraktiver durch eine Leseecke. Die Dauerausstellung wird umgestaltet:Es gibt mehr über die ganze Familie Mann - die stärker ins Interesse rückt - zu erfahren. Platz wird auch dadurch geschaffen, daß die Buddenbrooks ihr eigenes Reich erhalten.

Die Beletage

An der Rückfront entsteht das neue Treppenhaus (wo es ursprünglich lag) mit Fahrstuhl. Der Veranstaltungsraum im Zwischengeschoß kann endlich vergrößert werden:Künftig sollte er für Tagungen, Symposien und Lesungen mit viel Publikum ausreichen. Die Möglichkeit der Bewirtung ist eingeplant.

Dann kommt der 1. Stock mit drei Abteilungen. "Buddenbrooks lesen": Eine "durchsichtige Außenhaut" gibt den Blick frei auf das Archiv, auf Materialien - etwa auf die Romane (Fontane, skandinavische Kaufmannsromane), die Thomas Mann verarbeitete. "Buddenbrooks lesen" stellt die Lübeck-Bezüge her, läßt Personen und Lokalkolorit erfassen - und mit moderner Technik Zugriff nehmen auf die Verfilmungen (samt einigen Requisiten) und Dramatisierungen. "Buddenbrooks erleben" kann man vorn im Landschaftszimmer (Salon) und im Götterzimmer (Speiseraum). Wißkirchen: "Die Räume werden im Geiste des Romans wiederhergestellt, Thomas Mann hat ja genau beschrieben, was wir mit modernster Technik akustisch erläutern und visualisieren wollen." Darunter sind zwei große Leuchter, die Thomas Mann aus der Familie geerbt hat, die ihn lebenslang als Grundinventar seines Arbeitszimmers durch die Welt begleitet haben - und die sein Sohn Golo Lübeck vermacht hat.

Die Büros des Heinrich- und-Thomas-Mann-Zentrums sowie der drei Literarischen Gesellschaften ziehen unters Dach. Im September soll Baubeginn sein. Dauerausstellung und Shop bleiben bis zum Jahresende geöffnet. Die Tagung "Ein Zeitalter wird besichtigt" zum 50. Todestag Heinrich Manns kann vielleicht schon im Zwischengeschoß stattfinden. Am
6. Juni 2000 soll das neue Buddenbrookhaus eröffnet werden:Dann ist es 100 Jahre her, daß die "Buddenbrooks" abgeschlossen wurden und es ist zugleich der 125. Geburtstag von Thomas Mann.Güz

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