Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 25. August 2019

Ausgabe vom 03. August 1999

200 Jahre Ensemble

Bemerkungen über das Theater in Lübeck (3)

Allein, wenn es schon die Aufgabe der Direction seyn muß, des eigenen Selbstgefühls wegen diejenige Präcision und Consequenz zu erreichen, welche mit der gegenwärtigen Verfassung der Bühne zu vereinbaren ist, dürften nachstehende Bemerkungen doch vielleicht einige Beherzigung verdienen.

1)Es ist zum Zweck der Vermehrung der Decorationen der Zuschnitt so gemacht worden, daß in jedem Jahre zwei neue Decorationen angeschaft werden sollten. So langsam wir auf diese Art zu einer minder ärmlichen Sammlung von Decorationen kommen, so ist es leicht zu begreifen, daß die geringe Einnahme keinen größeren Zuwachs gestatte. . .

Es fehlt uns iezt an so manchen Hauptdecorationen. Wir haben, um nur einige wenige Requisite anzuführen, keine Kirche, keine freie Gegend, kein Handwerkszimmer, kein orientalisches Zimmer, keine Straße für kleine Städte u. a. m. . Da müssen dann zuweilen in einem Stücke, dieselben Decorationen ganz verschiedene Gegenstände darstellen, da muß die Direction mit den sogenannten Versatzstücken, sich oft ärmlich genug aushelfen. Zuweilen könnte jedoch durch eine etwas sorgfältigere Auswahl, durch eine zweckmäßigere Anordnung des Ganzen, dem Mangel der Decorationen nachgeholfen werden.

Je geringer der Apparat eines Theaters ist, um desto strenger muß alles vermieden werden, was der Illusion nach-theilig ist. Dahin gehört, daß die Seiten-thüren in Zimmern nicht, wie hier sehr häufig geschieht, vor den Fenstern gestellet werden, die Auftretenden durchs Fenster kommen, daß ferner nicht Schränke vor den Spiegeln gesetzt oder gar an dem Spiegel-Gemälde gehängt werden, da man dergleichen Beschaffenheiten der Zimmer wol nirgends antreffen wird. Eben so dürfte wol die Direction bei Auswahl der Zimmer etwas Rücksicht darauf nehmen, welchem Hause sie nach der Idee des Stückes angehören sollen. Es macht einen sonderbaren Contrast, wenn z. B. in der Gotterschen Posse "Der schwarze Mann" ein Zimmer mit Statüen und Basreliefs die Gaststube eines kleinen Wirtshauses, und dann wieder in dem Kotzebueschen Schauspiele "Ueble Laune" das allerschlechteste Zimmer dem reichen Geheimnrathe gegeben wird. Die kleinen, niedrigen, schmutzigen Seitenthüren in den Zimmern, sind in Pallästen und in Dorfschenken immer dieselben, müssen sogar zuweilen Haus- thüren vorstellen.

Zu wünschen wäre es, daß so manchen häufig vorkommenden Verstößen dieser Art abgeholfen würde, da solches ohne bedeutende Kosten geschehen kann, daß bei Auswahl der Decora-tionen etwas mehr Rücksicht darauf genommen würde, was sie vorstellen sollen. Daß, wenn die Scene in Afrika spielt, nicht der Lindenwald erscheine, da ein Palmenwald vorräthig ist, daß wenn das Gefängniß ein Zimmer abgeben muß, wenigstens diejenige Coulisse weggelassen werde, die der vorräthige Apparat gehörig angewandt, und der Grundsatz: "so wie es einmal durchgegangen ist, mag es ferner durchgehen" verläugnet werde.

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