Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 03. August 1999

Sanften Tourismus mit Vollgas überfahren

Zu: "Stoppen Schweinswale die Powerboote?". SZ vom 27. Juli

Auch jetzt, wo das Rennen vorbei ist, kann man nur kopfschüttelnd vor dem Scherbenhaufen stehen, den es angerichtet hat. Eine Spur der Verwüstung ist offensichtlich, viele weitere Zerstörungen bei Pflanzen und Tieren können nur vermutet werden.

Offensichtlich ist: das Leitbild vom sanften Tourismus wurde mit Vollgas über den Haufen gefahren.

Die Agenda 21-Leitstelle der Hansestadt Lübeck wurde nicht eingeschaltet. Dabei lautet der Beschluß der Bürgerschaft vom 26. November 1998: "Der lokale Agenda 21-Prozeß ist der Leitbilderstellung übergeordnet" und "Die Stadt übernimmt eine Vorbildfunktion".

Die Naturschutzbehörde Lübecks hat in einer Stellungnahme das Befahren der Flachwasserzone ausgeschlossen. Dies wurde mißachtet. (...)

Uferschwalben, sie stehen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, wurden gestört.

Weniger offensichtlich ist: Schweinswale, die hier vorkommen und akut vom Aussterben bedroht sind, werden sehr gestört. Es kann sogar zur dauernden Trennung von im Sommer säugenden Jungtieren von den Müttern kommen. Fische werden gestört und auf Dauer verjagt.

Generell muß den Betreibern vorgeworfen werden, daß keinerlei Untersuchungen über die Auswirkungen von Unterwasserlärm durchgeführt wurden und somit der wichtigste vom Rennen betroffene Bereich, das Meer, unbeachtet blieb. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wird alles daran setzen, ein weiteres Motorbootrennen in der Lübecker Bucht zu verhindern.

Jürgen Leicher, Ratekau

BUND Ostholstein

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