Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 20. Juni 2018

Ausgabe vom 17. August 1999

Schwere Entscheidungen über Schicksale

Helmut Heß, Bereichsleiter der Meldestelle, ist auch Vorgesetzter der Ausländerbehörde

0880701.gif
Helmut He§ setzt sich fr ein gutes Betriebsklima in "seinem Amt" ein; Foto: N. Lwe

"Gerade wenn es um Fälle in der Ausländerbehörde geht, muß man sich in unserem Beruf manchmal auf den Beamtenstatus zurückziehen und Recht anwenden - auch wenn man emotional anders entscheiden würde", sagt Helmut Heß, Bereichsleiter der Meldestelle. Das sei nicht immer einfach, denn jede Entscheidung betrifft meist nicht nur eine einzelne Person, sondern oftmals seien ganze Familienschicksale davon betroffen. Dennoch "die Arbeit ist spannend, denn die Gesetze ändern sich ständig". Und rein bürokratisch sei die Arbeit schon lange nicht mehr: Immer mehr gehöre auch die Recherche vor Ort, sowohl auf Baustellen als auch im Privatleben, und die immer engere Zusammenarbeit mit anderen Prüfstellen wie der Polizei, dem Arbeitsamt und dem Zoll dazu.

Neben der Ausländerbehörde umfaßt der Bereich Meldestelle nach den "alten Bezeichnungen" das Einwohnermeldeamt, die Paß- und Personalausweisstelle, die Lohnsteuerkartenstelle, die Wehrerfassung, das Fundbüro, das Staatsangehörigkeitswesen und die Stadtteilbüros. Insgesamt 54 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Heß unterstellt.

Gutes Betriebsklima ist wichtig

Trotz der unterschiedlichen Aufgabengebiete legt der 57jährige Wert darauf, daß sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennen und ein gutes Betriebsklima herrscht. So sorgt er dafür, daß ein regelmäßiger Kontakt zwischen den "Zimmern" gepflegt wird, denn "oftmals vereinfacht dies die Dienstwege und damit die Arbeit".

Helmut Heß kann auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken: Gerade erst feierte er sein 40jähriges Dienstjubiläum bei der Stadt. Als 16jähriger Realschüler begann der aus Roggow in Pommern stammende Heß seine Ausbildung in der Verwaltung. Zusammen mit 55 anderen Auszubildenden erfuhr er im April 1959 sogleich die "ganze Härte eines Arbeitstages", denn das Einstellungsdatum war auch zugleich das Ende des freien Beamtennachmittags am Mittwoch. Gerade erst konnte er beim Neubau des Karstadt B-Gebäudes seinen ersten Arbeitsplatz noch einmal sehen: Der Sitz der damaligen Ausga-bebuchhaltung der Stadtkasse befand sich im Keller des alten Gebäudes auf dem Schrangen. "Es war schon ein bewegender Moment, sich an damals zu erinnern". Da wurden unmißverständliche Bemerkungen gemacht, wenn die Haare zu lang oder Koteletten ganz verschwinden sollten und wenn man nicht mehr die Kaffeemilch für den ganzen Flur holen wollte, galt das schon als aufsässig, erinnert sich Heß.

Nach Abschluß der Verwaltungslehre, legte er 1962 die erste Verwaltungsprüfung ab. Er arbeitete an-schließend im Sozialamt und beim Zivilschutz, heute Katastrophenschutz. 1970 wechselte er zum Bauverwaltungsamt und 1972 bestand er die zweite Verwaltungsprüfung. Die ersten Sanierungsprogramme, die 1972 ins Leben gerufen wurden und beispielsweise die Große Petersgrube betrafen, arbeitete Heß mit aus. "Ohne diese Förderprogramme, die durch Bund, Land und Kommune finanziert werden, wäre der Erhalt der Altstadt wohl nicht möglich", vergegenwärtigt sich Heß die interessante Aufgabe.

1978 wechselte Heß in die Gewerbeabteilung des Ordnungsamtes und war für das Gaststätten- und Bordellwesen zuständig. 1985 übernahm er eine Abteilung im Liegenschaftsamt: "Es war von den sonst eher ordnungsrechtlichen geprägten Aufgaben ein Ausflug in den fiskalischen Bereich", so Heß. Nach sechs Jahren, 1991, kehrte er dann in das Ordnungsamt zurück und übernahm die Leitung einer Abteilung, deren Aufgaben im wesentlichen die des jetzigen Bereichs umfassen. "Durch meine vielen unterschiedlichen Arbeitsplätze habe ich einen Gesamtüberblick, verbunden mit Detailinformationen, erhalten, die nicht nur in meiner heutigen Funktion äußerst wertvoll sind, sondern einen Teil der Lebenserfahrung ausmachen", resümiert er seinen Werdegang. Doch der jetzige Schreibtisch werde wohl der letzte seiner Karriere bleiben.

Noch viele Ziele gesetzt

Doch er hat noch viele Ziele: Mel-debehörden seien meistens der erste Kontakt von Neubürgern zur Stadtverwaltung. Wichtig sei deswegen, daß diese dort gut ausgebildetes und freundliches Personal antreffen, so Heß. Doch dafür müßten auch die Rahmenbedingungen stimmen, wie eine entsprechende Ausstattung und genügend Personal - und hier gebe es noch Nachbesserungsbedarf. Außerdem müßten weitere Stadtteilbüros initiiert und deren Leistungen sowie Angebote ständig aktualisiert und ausgebaut werden. Und auch neue gesetzliche Regelungen, wie zum Beispiel das neue Staatsangehörigkeitsrecht, seien Herausforderungen.

Privat dagegen träumt der passionierte Camper und zweifache Opa von der Altersteilzeitarbeit. Dann könnte er lange Reisen gen Süden, vielleicht auch einmal in die nördlichen Gefilde, mit seiner Frau unternehmen und hätte viel Zeit für die Enkel.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de