Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 24. September 2018

Ausgabe vom 14. September 1999

Kinder und Jugendliche angemessen beteiligen

Spezielle Open Space-Veranstaltung geplant - Projekt Lokale Agenda 21 ist nicht nur für Erwachsene gedacht

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"Lübeck wird laut! Wir reden mit!" ist das Motto einer Aktion des Bereiches Jugendarbeit/Jugendamt und des Projektes Lokale Agenda 21 zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Partizipation ist eine wesentliche Kernaussage der Agenda 21 und bedeutet, an gesellschaftspolitischen Entscheidungen teilzunehmen. Das Kapi-
tel 25 der Agenda 21 beschreibt die zwingende Erfordernis, auch und besonders Jugendliche auf allen für sie relevanten Ebenen aktiv an Entscheidungsprozessen zu beteiligen.

Das Aktionsprogramm für nachhaltige beziehungsweise zukunftsfähige Entwicklung ließe sich ohne Demokratisierungsbestrebungen nicht durchsetzen, und da es sich um einen gesamtgesellschaftlichen Prozeß handelt, müssen Kinder und Jugendliche entsprechend ihrem Entwicklungsstand an Entscheidungen beteiligt werden. Hierdurch wird ein politisches Bewußtsein und Verantwortungsbewußtsein für die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen des eigenen, freiwilligen Handelns gefördert.

Über 100 Beteiligungsmodelle

Das Kinder- und Jugendhilfegesetz legt fest, daß Jugendhilfe dazu beitragen soll, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu schaffen und Kinder und Jugendliche an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.

Die Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein enthält seit dem 1. April 1996 mit dem Paragraphen 47 f den Passus, daß Kinder und Jugendliche an Planungen in den Gemeinden in angemessener Weise beteiligt werden sollen, soweit ihre Interessen hiervon berührt werden. Schleswig-Holstein nimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle in Sachen Kinderfreundlichkeit ein. In Umsetzung der neuen Gemeindeordnung gibt es schon weit über 100 Beteiligungsmodelle, die beispielsweise mittels Zukunftswerkstätten Kinder und Jugendliche an Planungen, die sie betreffen, beteiligt haben.

Da im Gesetz keine Untergrenze des Alters genannt wird, heißt dies, daß auch nach Verfahren zu suchen ist, mit denen kleine Kinder an Planungen im kommunalen Bereich beteiligt werden können.

Alle Beteiligungsverfahren müssen, wenn sie erfolgreich sein wollen, methodisch zielgruppengerecht sein. Es müssen lustbetonte, spiel- und handlungsorientierte Methoden gewählt werden, bei denen die Kinder und Jugendlichen weder über- noch unterfordert werden.

Zwischen der Erarbeitung von Vorschlägen und ihrer Realisierung muß ein enger, zeitlich erfahrbarer Zusammenhang bestehen. Hier lautet der Grundsatz: je jünger die Kinder, desto enger muß der zeitliche Abstand zwischen Planungsbeteiligung und Realisierung sein.

Ein weiteres Prinzip ist der Leitgedanke der ExpertInnenschaft, das heißt, Kinder und Jugendliche sollten überall dort beteiligt werden, wo sie Experten und Expertinnen in eigener Sache sind.

Den Spiel- und Kommunikationsbedürfnissen von Mädchen sollte besondere Aufmerksamkeit zukommen, da der öffentliche Raum generell noch zu sehr nach den Vorlieben von Jungen organisiert ist.

Seit einiger Zeit existiert eine Projektgruppe des Bereiches Jugendarbeit/Jugendamt und des Projektes Lokale Agenda 21 zum Thema Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Lübeck. Die Projektgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, das Bewußtsein der Erwachsenen für die Realität und Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen durch

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