Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 27. Juni 2019

Ausgabe vom 22. Dezember 1997

Editorial

Unsere Zeitung bietet derzeit mit die interessantesten Arbeitsplätze in der Hansestadt. Das hört sich nach Übertreibung an, trifft jedoch ohne Zweifel zu. Unser Berufsalltag hat nichts gemein mit Alltäglichem. Permanenter Streß, Hektik und die grausame Notwendigkeit, ständig fünf, sechs Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen, sind das eine. Aber das kennen die meisten Journalisten, die in Lübeck leben und arbeiten. Eine völlig neue Zeitung aufzubauen, war aber nur wenigen von ihnen vergönnt. Denn derartiges kommt viel zu selten vor im Land der Medien-Monopole.

Und: Die Zuwendungen der verschiedensten Art, die uns aus der Leserschaft erreichen, machen uns klar, daß wir bei einer ungewöhnlichen Zeitung gelandet sind. Auf der einen Seite gibt es Anrufe, in denen wir gelobt, angefeuert und enthusiastisch begrüßt werden, daß es fast peinlich ist. Auf der anderen Seite erleben wir - wenn auch mit deutlich abnehmender Tendenz - immer noch Mitbürger, die ausgesprochen unfroh auf unsere Existenz reagieren. Wie jener ältere Herr, der uns sein SZ-Exemplar persönlich zurückbrachte und partout nicht glauben wollte, daß wir genügend davon haben. Den Rat, seine SZ doch einfach zu verschenken oder die Stiefel damit auszustopfen, wollte er keinesfalls annehmen. Er werde, wenn ihm die schwere Beleidigung durch die Zustellung der SZ noch ein einziges Mal widerfahre, die Polizei einschalten. Du lieber Himmel! Das möchten wir natürlich nicht. Da gefällt uns folgendes besser: "Ich fordere Sie hiermit auf, die Zeitung umgehend wieder abzuholen", forderte ein Nichtleser. Er war beim Schreiben offensichtlich so erregt, daß er vergaß, seinen Namen und Anschrift mitzuteilen - was uns leid tut. Ihre SZ-Redaktion

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