Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 22. Dezember 1997

Mehrheit für die Ansiedlung

Kommen Famila und Aldi nach Kücknitz? * Diskussionsrunde

Kommt der SB-Markt "Famila" zusammen mit dem Lebensmitteldiscounter "Aldi" nach Kücknitz? Werden die Beiden die ansässigen Einzelhändler erdrücken, die Investitionen des Sky-Marktes durchkreuzen? Oder kommt es zu einer heilsamen Konkurrenz im Sinne der Kunden und der Hansestadt Lübeck? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Clubhaus Rangenberg am vergangenen Mittwoch.

Sanierung in Frage gestellt

Eingeladen hatte Karl Trunzer, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Rangenberg. Anlaß: Coop stellt die seit Jahren dringend notwendige Sanierung seines Sky-Marktes in der Kücknitzer Hauptstraße in Frage, wenn sich, wie geplant, auf dem ehemaligen Metallhüttengelände die Großmärkte Famila und Aldi neu ansiedeln.

Coop-Prokurist Dieter Möller erläuterte das Sanierungsvorhaben: Das neue Sky-Zentrum solle auf 2000 Quadratmetern Fläche mehr Einkaufsmöglichkeiten in kleinen Shops bieten. Dies bedeute eine Stärkung des Kücknitzer Zentrums. Die Architektur solle ansprechend sein. Der Bau werde ökologisch auf den neusten Stand gebracht, indem beispielsweise die Dächer begrünt werden. Das Investitionsvolumen betrage sieben Millionen Mark.

Famila-Chef Dr. Herrmann Langneß hielt dagegen: "Die Kaufkraft wandert derzeit ab." Lebensmittel würden in Kücknitz besorgt, für größere Einkäufe pendelten die Kunden aber nach Lübeck, Bad Schwartau oder Stockelsdorf. Das bestätigten auch Redner aus dem Publikum. Famila wolle mit dem geplanten Neubau die Kaufkraft an den Stadtteil binden und Arbeitsplätze schaffen. Langneß stellte auch in Aussicht, die vom Gemeinnützigen Verein Kücknitz geplante Umgestaltung des Marktes finanziell zu fördern.

Umweltpreis für Neubau

Der Bau des Famila-Marktes würde in roten Klinkern nach bewährten ökologischen Prinzipien ausgeführt, für die sein Unternehmen mehrere Umweltpreise bekommen hat. Investitionsumfang: 12 Millionen Mark. Da erfahrungsgemäß die Märkte Kunden aus der Umgebung anziehen würden, bestünde keine Gefährdung für den Einzelhandel in der Kücknitzer Innenstadt.

Doch genau das befürchten ein Teil der Anwohner, Geschäftsleute, der Einzelhandelsverband Nord-Ost und das Stadtplanungsamt.

Projektleiterin Uta Stammer von der GGM ist jedoch davon überzeugt, daß die Attraktivität des Famila-Marktes Magnetwirkung hat und sich im Gefolge Gewerbebetriebe ansiedeln werden.

Mehr Einkaufsmöglichkeiten

Dies sieht auch Lübecks Bürgermeister Michael Bouteiller so. "Ich begrüße eine Ansiedlung von Famila und Aldi, weil dies zu einer Steigerung der Attraktivität des Metallhüttenstandortes führt und eine Bereicherung der Einkaufsmöglichkeiten im Stadtteil darstellt", sagt er. Die Ansiedlung binde im übrigen Lübecker Kaufkraft an die Hansestadt.

Fazit: Der jetzige Versorgungszustand und das Stadtbild von Kücknitz sind für alle unbefriedigend. Preisgünstig einkaufen in attraktiven Geschäften bei vielfältigem Warensortiment und neue Arbeitsplätze - das wünscht sich offenbar jeder. Doch über den Weg dorthin entbrannte eine heiße Diskussion im eiskalten Clubhaus, wobei die Mehrheit im Saal den Bau des Famila/Aldi-Marktes befürwortete.

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