Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 26. Juni 2019

Ausgabe vom 22. Dezember 1997

Für manche ist die Bibliothek das zweite Zuhause

Spardebatte trübt 375. Jubiläum - Volksbücherei und wissenschaftliche Bibliothek in einem

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Der Mantelssaal im neogotischen Baustil wurde 1993/1994 renoviert. Kleines Bild: Die Computerarbeitsplätze sind die Anfänge zu einer Hightechzone. Fotos: M.Erz

Die zierliche Frau mit der Brille und dem Pferdeschwanz sitzt am Fenster zwischen zwei Bücherregalen, eine Hand auf das Kinn gestützt. Eine Stadt in Griechenland mit fünf Buchstaben...? Schnell fliegt ihr Stift über das Papier mit den schwarzen Kästchen. Rosemarie Petri kommt täglich in die Stadtbibliothek, seit sie arbeitslos geworden ist. Dort frönt sie ihrem Hobby, dem Kreuzworträtsellösen und liest die Zeitung. "Man muß doch wissen, was in der Welt los ist," sagt die gelernte Buchhalterin und: "Die Bibliothek ist mein zweites Zuhause." Nach der ersten Zeit der Resignation, hat sie sich aufgerafft, hat sich die 111 Tips für Arbeitslose in der Bibliothek besorgt und verblüffte ihren

Arbeitsamtsberater mit Sachkenntnis.

Rosemarie Petri ist eine von jährlich 350 000 Besuchern der Stadtbibliothek. In die Bibliothek kommen Menschen aller Altersstufen und Nationalitäten, Arme und Reiche, Arbeitslose und Professoren, Doktoranden und Schüler, die auf eine Klassenarbeit pauken müssen und Fachliteratur suchen. So wie die 18jährige Schülerin Julia Wolck. "Für mich ist die Stadtbibliothek unentbehrlich, denn unsere Schulbibliotheken reichen bei weitem nicht aus." Die Schüler von 42 Lübecker Schulen schöpfen aus dem über eine Millionen zählenden Buchbestand ihren Wissensfundus. Für Schüler bis 18 Jahre ist die Ausleihe umsonst, Erwachsene zahlen 40 Mark im Jahr, Studenten, Schüler über 18 und Inhaber des Lübeck-Passes die Hälfte. Seit der Gebührenerhöhung sind die Ausleihzahlen zurückgegangen. Mehrere Nutzer leihen auf einen Ausweis aus, sagen die einen, die Gebührenerhöhung ist schuld, glauben die anderen. Jörn Schuppenhauer wünscht sich, daß die Preise stärker gestaffelt werden. Der Rechtsanwalt nutzt die Bibliothek weitgehend beruflich. "Ich könnte mehr bezahlen," so Schuppenhauer, "allerdings," fügt er hinzu, "die Gesetze und Verordnungen müssen auf dem neuesten Stand sein, bereits jetzt fällt auf, daß der Bestand ausgedünnt wird."

Die Spardebatte ist der Wermutstropfen im 375. Jubiläumsjahr der Bibliothek. Über eine halbe Millionen Mark beträgt die Einsparvorgabe bis zum Jahr 2000. Das schürt

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