Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 22. Dezember 1997

Verzweifelt Sponsoren gesucht

Einzigartiges Patchwork an Baustilen - Teil des Weltkulturerbes

Wer durch die Lübecker Stadtbibliothek schlendert, macht eine Reise durch die Jahrhunderte. Das Patchwork an Baustilen vom 14. Jahrhundert bis heute ist eine Rarität. Da ist zum einen der Scharbausaal, benannt nach dem Pastor Hinrich Scharbau, der seine Handbibliothek 1759 der Bibliothek vermachte. 1877 wurde den mittelalterlichen Räumen des ehemaligen Franziska-nerklosters ein Neubau im neogotischen Baustil hinzugefügt. Den Anbau an das Gemäuer des Katharineums ermöglichte Friedrich Wilhelm Mantels, Hanseforscher und Dozent am Katharineum. Nach ihm ist der Mantelssaal benannt, dessen Restaurierung vor zwei Jahren abgeschlossen wurde. Immer wieder wurden die Gebäude im Klosterbereich umgestaltet und ergänzt. Die Gebäudeteile überstanden unversehrt beide Weltkriege und sind damit im europäischen Raum einmalig. In den historischen Räumen befinden sich rund 20 000 Bände Altbestand, vorwiegend aus den Fachgebieten Geschichte und Theologie.

Angefangen hat alles mit Martin Luther. 1524 bereits forderte er Bücherhäuser. Johann Bugenhagen griff diese Idee auf. 1622 wurde in Lübeck mit der Gründung des Katharineums eine Bibliothek eingerichtet. Ein Einbruch erfolgte während der Nazizeit und während des Krieges. Etwa 28 ooo Bände wurden, um sie vor Zerstörung zu schützen, nach Sachsen-Anhalt ausgelagert und später in die UdSSR transportiert. Zurückgekehrt sind bis jetzt rund 5000 Kleinschriften, 1500 Handschriften, sowie ca. 1350 Bücher aus Georgien. Für die Restaurierung dieser Bücher haben vor kurzem Schüler des Johanneums gesammelt. Dringend steht die Renovierung des Scharbausaals an, da die Gefahr besteht, daß die Bücher von Schädlingen befallen werden. "Die Umbaumaßnahmen werden rund eine halbe Millionen Mark kosten," so Jens Uwe Hansen, der mit den Planungen befaßt ist. "Dafür brauchen wir dringend Sponsoren, die Stadt kann das nicht leisten."

Vor fünf Jahren haben sich die Freunde der Stadtbibliothek zu einem Verein zusammengeschlossen, auch mit dem Ziel, Sponsoren zu gewinnen. Der Vorsitzende ist Gerichtspräsident Hans-Ernst Böttcher. Er plädierte außerdem an die Stadt, die Mittel für die Bibliothek nicht weiter zu kürzen. "Sonst geht es an die Substanz," so Böttcher. Dr. Volker Scherliess von der Musikhochschule ist ebenfalls der Meinung: "Der Rang der Bibliothek verpflichtet." Seinen Studenten sei es hier möglich, orginale Noten von berühmten Komponisten einzusehen und Quellenstudium betreiben zu können." In den historischen Räumen finden regelmäßig Veranstaltungen statt. Über 50 Ausstellungen, Konzerte und Lesungen waren in diesem Jahr geboten. Die herausragendsten Veranstaltungen waren die Feierlichkeiten zum 375. Jubiläum der Bibliothek.

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