Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 17. November 2018

Ausgabe vom 21. Dezember 1999

Palmarum war nur der Anfang

Die Zerstörung in Lübecks Altstadt hat viele Väter - Neue Dokumentation

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Ausgebranntes Museum, zerstörter Dom: Lübeck im Jahre 1943; Foto: Archiv

Am Morgen des 29. März 1942 war in Lübeck alles anders als zuvor: Britische Bomber hatten die Altstadt verwüstet, 320 Tote und über 800 Verletzte waren zu beklagen. Nicht wenige Lübecker liefen weinend durch die rauchenden Trümmer, konnten es nicht fassen, daß der von Deutschland ausgelöste Luftterror, der die spanische Stadt Guernica (1936) und das englische Coventry (1940) verwüstet hatte, die geliebte Hansestadt an der Trave erreicht hatte. Der kollektive braune Rausch fiel nun auf Deutschland zurück. Lübeck war nur der Anfang...

Viele der gezeigten Fotos der zerstörten Innenstadt sind bekannt. Was es aber bisher noch nicht gab, war eine ausführlichere Bestandsaufnahme aller vernichteten Bau- und Kunstdenkmale. Der Autor zeigt Bilder, die betroffen machen und entsetzen. Sie dokumentieren aber mehr. Die Vernichtung durch die britischen Bomben waren gewaltig, doch nicht viel weniger schlimm ist das, was der Altstadt von Architekten, Stadtplanern und Bauherren im Zeichen des Wiederaufbaues und der Moderne angetan wurde. Da wurden Fassaden beseitigt, Parkhäuser erbaut und Häuserkisten in das mittelalterliche Ensemble gekippt, daß einem die Haare zu Berge stehen. Das Buch ist somit auch eine Dokumentation von Fehlleistungen vor, während und nach dem Krieg. Es berichtet darüber, was noch möglich gewesen wäre trotz Bombenkrieg und Feuersbrünsten, hätte man die Architekten rechtzeitig mit anderen Aufgaben betraut. Für Lübeck-Fans ist das Buch ein Muß!

Lutz Wilde. Bomber gegen Lübeck. Dokumentation über die Zerstörung Lübecks Altstadt beim Luftangriff im März 1942. Verlag Schmidt-Römhild, 156 Seiten, ISBN 3-7950-1235-X, 36 Mark.

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