Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 18. Juni 2019

Ausgabe vom 29. Februar 2000

Der Vorwurf des Ministers ist falsch

Zu: "Fragen müssen in der Demokratie erlaubt sein". SZ vom 15. Februar

Da der Außenminister Joschka Fischer dem Friedensplenum ein "bizarres Bündnis mit der NPD" unterstellt und vorgeworfen hat, möchte ich als Mitglied dieses Plenums einige Daten zu meiner Person nennen, die mich geprägt haben.

Mein Vater wurde 1941 in Kraljevo von der Wehrmacht in seinem 44. Lebensjahr hingerichtet. Meine Brüder und ich waren damals im Alter von eins, vier und neun Jahren.

Ich selbst wurde auf den Armen meiner Mutter zusammen mit meinen Brüdern zur Hinrichtung an die Wand gestellt. Nur durch die Besonnenheit eines deutschen Kompanieführers wurden unsere Leben gerettet. Seitdem schlummert in mir tiefste Achtung und Bewunderung für diesen Menschen, der solche Einsicht und solchen Mut aufgebracht hat.

Ich glaube nicht, daß dieser Mann noch am Leben ist, aber ich bin sicher, daß ich Freunde wie ihn hier in Deutschland gefunden habe. Ich habe mit Zufriedenheit, ja mit Bewunderung, aber auch mit Unbehagen die demokratische Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland beobachtet.

Am "Runden Tisch Hafenstraße" habe ich mich beteiligt und als Mitglied des Flüchtlingsforums sowie im Komitee der Kriegsflüchtlinge aus Bosnien habe ich zu helfen versucht. Außerdem arbeite ich im Verein "Hilfe Jetzt" mit.

Somit bin ich Lichtjahre entfernt von dem Vorwurf, den der Außenminister so ungeniert ausgesprochen hat. Was und wer ist Herr Fischer, daß er die Menschen, die sich für den Frieden engagieren, auf diese Weise diffamieren, ja beleidigen darf?

Dusan Nonkovic, Lübeck

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