Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 14. März 2000

ITB-Engagement am Scheideweg?

Reisemarkt strebt aufwärts - Schleswig-Holstein stagniert - Ein Streiflicht

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Der Lübeck-Stand ist Teil der Schleswig-Holstein-Repräsentanz in Halle 6.2 a. Am ersten Tag war es dort sehr ruhig; Foto: M.Erz

152 000 Quadratmeter Messefläche, Besucher aus 190 Ländern und Gebieten der Erde. Und mittendrin Schleswig-Holstein und die Hansestadt Lübeck mit einem Gemeinschaftsstand in Halle 6. 2 a - so präsentiert sich dieser Tage die weltgrößte Touristikmesse ITB in Berlin.

Der Zuwachs ist wiederum beträchtlich: Der Reisemessen-Moloch am Funkturm hat an Fläche in den vergangenen zwei Jahren noch einmal um 17 Prozent, an Ausstellern gar um 21 Prozent, zugelegt. "Die Messe bewegt sich am Rande der Unübersichtlichkeit", schrieben wir an dieser Stelle vor zwei Jahren. Dies gilt weiterhin. Denn das Wachstum geht ungebremst weiter - wenn auch nicht überall.

Beispiel Lübeck: Sowohl quantitativ als auch qualitativ zeigt die Touristik-Sparte der Hansestadt eher Stillstand. In diesem Jahr sind es 105 Quadratmeter, auf denen sich die Lübeck und Travemünde Tourismus-Zentrale am Gemeinschaftsstand von Schleswig-Holstein um Gäste und Reisebuchungen bemüht. Im Lübeck-Pool mit dabei sind das Theater, der Flughafen, die MuK, die Lübecker Nachrichten, das Budden-
brookhaus, Dräger-Synematik und das Hotel SAS Radisson als zahlende "An-schließer".

Erstmals dabei ist die Verlagsgruppe Knesebeck, die gleich mit vier Leuten angereist ist und beim Publikum sowohl in Papier als auch online ihre neue Zeitung "an-der-Ostsee.de" präsentieren.

"Wir sind zufrieden"

Das reichlich vorhandene Prospekt- und Druckmaterial wirbt für eine Vielzahl von touristischen und sonstigen Höhepunkten an Trave und Ostsee. Lübecks Expo-Projekte, 100 Jahre Elbe-Lübeck-Kanal, Altstadtfest, Niederegger Marzipan-Salon, Travemünder Drachenfest, Summer-Funsport-Tour,
Beachgolf-Turnier sind nur einige
Highlights, mit denen die Leute um ITB-Projektleiterin Irene Steenbeck sich an das vorbeiflanierenden Publikum wenden. Nach einem flauen Starttag war das Interesse am Sonntag deutlich besser. "Wir sind wirklich zufrieden", sagte Steenbeck ermattet am Abend, nachdem sie sich acht Stunden lang zusammen mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern emsig um Kontakte bemüht hatte.

Das Interesse an Lübeck und Schleswig-Holstein war indes an den beiden ersten starken Publikumstagen deutlich geringer als beispielsweise am gegenüberliegenden Hamburg-Stand oder gar an den Repräsentanzen in den Nachbarhallen. Dort zogen vor allem die neuen Bundesländer, aber auch Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz oder auch das kleine Saarland mit einem Großaufgebot an Gesprächspartnern, Dekorationen, Gastronomie und Kultur die Scharen regelrecht an. Drangvolle Enge im Saal - die Luft beinahe zum Schneiden dick.

Derartigen Gefahren waren die Besucher in der "Lübeck-Halle", wo die Tochter des Beatmungs-Spezialisten Dräger für den Standort Lübeck warb, nicht ausgesetzt. Doch das gefiel nicht allen. "Unser Stand ist eine ganz müde Sache", schnaubte ein Lübecker Fach- journalist, der seit vielen Jahren die ITB begleitet. Er kritisierte das Fehlen eines klaren Konzeptes, eines "visuellen Anlaufpunktes", wie ein anderer sagte, eine "klare Aussage, für was Lübeck und Schleswig-Holstein überhaupt steht".

Als eine "äußerst triste Angelegenheit", bezeichnete Karl-Heinz Augsten, seit 20 Jahren Messedesigner und auch in diesem Jahr mit seiner "Berlin Office kwod MIKADO" verantwortlich für den hochgelobten Berlinstand in Halle 12 verantwortlich, den Auftritt seiner Heimatstadt Lübeck. "Der Stand sieht dermaßen unbeholfen aus, wirkt technisch improvisiert und zeigt sowohl in der Aufbereitung und in der Publikumszuwendung erschütternde Schwä- chen", sagte Augsten und sieht einen Endpunkt einer Negativentwicklung gekommen. "Vieles was Lübeck erreicht hatte, ist in den letzten Jahren aufgegeben worden."

Nicht ganz so hart - aber zumindest enttäuscht - urteilten andere Lübeck-Kenner. Daß die Mängel indes nicht die Schuld der engagierten Lübecker am Stand sind, wollte der zuvor zitierte Fachjournalist herausstellen. "So ist das nun mal, wenn man kein Geld hat", sagte er. "Wenn man es aber nicht richtig machen kann, dann sollte man es besser ganz lassen." Die Lübecker ITB-Auftritt am Scheideweg?

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