Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 14. März 2000

GeistReich

Ostseeperle

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Mit und von Jonas Geist

Sie wissen, es gibt Arbeitnehmer (zu viele) und Arbeitgeber (zu wenige), aber es gibt auch Zeitgeber und Zeitnehmer.

Wo spürt man in Lübeck und Umgebung besser wie die Zeit stehen geblieben ist und gleichzeitig rasend vergeht,wie wenn man ankommt und gleich durchfährt bis Hermannshöhe, bis es nicht mehr weitergeht und man für einen Moment das Gefühl hat, am Abgrund zu stehen - den großen Anker im Vordergrund und die gestutzten Linden, ehe die Wiese in sanften Wellen fällt bis zu der hundesprunghohen Hecke, die nur noch in Bruchstücken da ist,weil die Abbruchkante des Brothener Ufers sie erreicht hat.

Die Fachleute haben uns versichert - erzählt der neu eingestellte Ober, der meine Begleiterin mit "Gnä'Frau" anspricht und die taufrisch abgezogenen Schollenfilets serviert - die Fachleute also haben uns versichert, daß es noch hundert Jahre braucht, bis die alte Kaffeeveranda des Senators Herrmann Fehling in die Tiefe gerissen wird und mit ihr das Konglomertat aus Baracken, das sich eisern als Gegenüber zum öffentlichen Parkplatz hält.

Zur Verdauung gehen wir im Aufwind ein paar Schritte bis zu dem kleinen sich nach Brodten hineinschlängelnden Feldweg, an dem noch die Fundamente der Flackabwehr zu sehen sind und an dem sich weiter dorfeinwärts Alfred Mahlau ein Haus baute aus den Honoraren seiner kunstgewerblichen Ausschmückung der Offizierskasinos der Luftwaffe an der Ostsee, die ihm der zweite Mann hinter Speer, Konrad Sage, vermittelt hatte.

Sowohl innen im Lokal wie draußen am Ufer scheint sich was zu verändern - doch nirgendwo sonst spürt man das Hineingleiten in eine neue Zeit so deutlich - auch wenn man schon seit Kindesbeinen an dort hingewandert ist mit Eltern, mit Gästen, mit Freunden. Im Moment werden sogar die wenigen angrenzenden

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