Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 14. März 2000

Kraftwerk Siems: Alternativen jetzt umsetzen!

Von Nobert Franke

Bündnis 90 / Die Grünen

Seit längerem zweifeln Experten, ob ein konventionelles Kraftwerk Siems angesichts des liberalisierten Strommarktes noch rentabel ist. Die GRÜNEN haben seit 1991 vermutet, daß PreussenElektra nur an 380-kV-Trasse und Seekabel, jedoch nicht am Kraftwerksneubau interessiert ist.

Die Hansestadt Lübeck muß jetzt entweder PreussenElektra beim Wort nehmen und den Vertrag erfüllen lassen oder sich andere Versorger oder Kraftwerksbetreiber für den Standort Siems suchen. Umwelt-, wirtschafts- und regionalpolitisch scheint die folgende Kombination diskutabel: Zur Versorgung der Re-
gion südliches Schleswig-Holstein und westliches Mecklenburg-Vorpommern über vorhandene Leitungen wird in Siems ein modernes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk mit einer Leistung von unter 500 Megawatt und zusätzlicher Entschwefelung errichtet. Dies beschleunigt den Ersatz umweltschädlicherer Atom- und Kohlekraftwerke in Schleswig-Holstein, erübrigt Höchstspannungsleitungen und schafft zirka 170 Arbeitsplätze.

Parallel wird die dezentrale Versorgung ausgebaut, wo die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist. Bereits jetzt wird durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz Strom aus regenerativen Energiequellen - Biomasse, Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft - gefördert und von den Energieunternehmen verbindlich abgenommen. Zusammen mit dem Sofortprogramm zur Sicherung der Kraft-Wärme-Kopplung können in der Region die Voraussetzungen für einen fairen Start dieser Energiegewinnungsarten in den freien Stromhandel geschaffen werden. Die Stadtwerke Lübeck sollten ihr gut ausgebautes Fernwärmenetz nutzen und statt reiner Wärmeversorgung wieder den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung vorantreiben. Insgesamt ist der Umstieg auf erneuerbare Energien und sparsame Energienutzung klimafreundlicher und kostengünstiger und schafft mehr Arbeitsplätze.

Um nicht wieder an den Realitäten vorbei zu planen, sollten an einer Arbeitsgruppe von PreussenElektra mit der Hansestadt auch Umweltverbände beteiligt werden. Unter Nutzung vielfältiger Kompetenzen könnte gemeinsam ein Konzept für eine ökologische und ökonomische Energieversorgung erarbeitet werden.

V.i.S.d.P.
Hans-Jürgen Schubert

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