Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 04. April 2000

Wenn Geräusche auf die Nerven gehen

Hansestadt entwickelt Lärmminderungsplan - Bereich Umweltschutz informiert

"Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden": Was Wilhelm Busch einst wenig schmeichelhaft über die Werke dichtete, die Komponisten zumeist mit Herzblut für ihr ehrfürchtig lauschendes Publikum erschaffen haben, beschreibt ein Problem, das augenscheinlich schon zu Zeiten des Dichters existierte: Lärm. Mit einem auf zunächst drei Jahre ausgerichteten "Lärmminderungsplan" sorgt der Bereich Umweltschutz dafür, daß es in der Hansestadt Lübeck künftig leiser zugeht. Die Auftaktveranstaltung dazu findet am Mittwoch, 12. April, 17 Uhr, im Bürgerschaftssaal des Rathauses statt.

Mit Lärm ist der Schall gemeint, der die Stille oder eine gewollte Schallaufnahme stört und damit zu Belästigungen bis hin zu Gesundheitsstörungen führt. Und das ist alles andere als angenehm: Ob Autohupen oder quietschende Reifen, leistungsstarke Stadionlautsprecher oder die voll aufgedrehte Musikanlage des Nachbarn - all diese Geräusche können ganz schön auf die Nerven gehen.

Nach Berechnungen des Bereichs Umweltschutz wird beispielsweise jeder neunte Lübecker Einwohner am Tag und jeder achte Einwohner in der Nacht durch Straßenlärm gequält. Rund 12 500 Einwohner gelten danach als gesundheitsgefährdet, denn Lärm beeinflußt das Gehör, die Gesundheit - zum Beispiel das Herz-Kreislauf-System -, das Wohlbefinden und nicht zuletzt die Lebensqualität.

Keine Expertenrunde

Bereits bei Belastungspegeln über 65 dB (A) bestehen nach medizinischen Untersuchungen erhöhte Gesundheitsrisiken. ZumVergleich: Ein Staubsauger lärmt mit 73 bis 82 dB (A). Daher soll am 12. April kein Kreis von Experten zusammenkommen; vielmehr hofft Manfred Hellberg vom Bereich Umweltschutz, daß sich an diesem Tag möglichst viele Bürgerinnen und Bürger im Rathaus einfinden und sich aktiv an der Planung beteiligen, den Lärm in Lübeck zu mindern. "Wir wollen an diesem Abend abgleichen, inwieweit unsere Messungen den Empfindungen der Menschen entsprechen", so Hellberg. Denn Lärm werde subjektiv empfunden. Deshalb sei es auch wichtig zu erfahren, wo zwar objektiv keine (Lärm-)Grenzwerte überschritten werden, subjektiv aber doch Lärmbelastungen von den Betroffenen empfunden werden. "Dann werden wir gemeinsam überlegen, ob und was man da tun kann", so Hellberg.

Übrigens: Zwar ist nach allen Expertenerkenntnissen der Straßenverkehr die größte und belastendste Lärmquelle, aber auch Freizeit und Sport, Gewerbe und Industrie - zum Beispiel Hafenanlagen - oder auch Schienen- und Flugverkehr können das Leben laut und damit schwer machen.

Postkartenaktion

Der 12. April ist nicht zufällig gewählt: Das ist der zum dritten Mal in Deutschland ausgerufene "Tag der Ruhe - gegen den Lärm". Aus diesem Anlaß ruft der Deutsche Arbeitsring für Lärmbekämpfung zu einer bundesweiten Postkarten-Protest-aktion auf. Auf vorgedruckten Postkarten können - auch die Lübecker - Bürgerinnen und Bürger dem Bundesumweltminister Jürgen Trittin schreiben und ihn auffordern: "Schluß mit dem Lärm! Schützen Sie endlich die Ruhe!"

Die Postkarten sind im Bereich Umweltschutz, Moislinger Allee 1 bis 3, 2. Etage, und in der Bürgerinformation, Breite Straße 62, erhältlich.

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