Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 04. April 2000

SZ-Serie, Teil 5

Illegale Drogen

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Gisbert Stein, 41, ist Suchthilfekoordinator bei der Hansestadt Lübeck. Er ist im Gesundheitsamt, Sophienstraße 5 bis 8, erreichbar. Rufnummer: 122 53 22

Als Klaus D. im Oktober 1999 im Alter von 38 Jahren starb, lag eine über zehnjährige Karriere als Heroinabhängiger hinter ihm. Obwohl er sich täglich mehrmals Heroin gespritzt hatte, war er bis ein Jahr vor seinem Tod als Maschinenführer in einem Lübecker Unternehmen beschäftigt. Lange Jahre blieb seine Heroinsucht seinem Arbeitgeber verborgen. Auch polizeilich war er in den ganzen Jahren seiner Abhängigkeit nie auffällig geworden.

Klaus D. starb an den Folgen einer Krebserkrankung. Er ging damit nicht in die Statistik der 13 Drogentoten ein, die im Jahr 1999 in Lübeck verzeichnet wurden. In vielerlei Hinsicht paßte er auch nicht in das weit verbreitete Bild eines Drogenabhängigen, das verbunden ist mit "Dealen", Prostitution, Kriminalität, weggewor- fenen Spritzen und kaputt aussehenden oder angstmachenden Gestalten im Innenstadtbereich. Klaus D. gehörte zu der großen Gruppe von Drogenabhängigen, die über viele Jahre, teilweise bis zu ihrem Tod, sozial unauffällig bleiben.

In Lübeck schätzt man die Zahl der Drogenkonsumenten auf 800 bis 1200, was bedeuten würde, daß hier zirka
20 Prozent mehr Drogenkonsumenten leben als im Bundesdurchschnitt. Auch mit den 13 Drogentoten1999 liegt Lübeck mehr als doppelt so hoch als der Bundesdurchschnitt.

Bei den illegalen Drogen ist am weitesten der Konsum von Cannabis, synthetischen Betäubungsmitteln (LSD, Ecstasy), Heroin und Kokain verbreitet. Darüber hinaus sind noch weit über 100 Stoffe und Zubereitungen im Betäubungsmittelgesetz verankert, deren Gebrauch und Besitz strafrecht- lich verfolgt werden. Generell ist festzustellen, daß eine Droge desto eher benutzt wird, je verfügbarer sie ist.

Der Gebrauch von Drogen unterliegt einem ständigem Wandel und steht immer im Zusammenhang mit aktuellen gesellschaftlichen Modeströmungen und sozialen Mangelzuständen. So schließt gerade der Konsum von Ecstasy und die damit einhergehenden Wirkungen - wie zum Beispiel Antriebssteigerung, plötzliche Stimmungsaufhellung, intensives Gefühl von Nähe, erhöhte Kommunikations- und Kontaktbereitschaft - die Lücke der Grundbedürfnisse, die im Alltag von vielen Jugendlichen sonst weniger gelebt werden und paßt in idealer Weise zu dem inzwischen vorherrschen- den gesellschaftlichen Zeitgeist des unermüdlichen Ausleben- Wollens von angenehmen Gefühlszuständen und des exzessiven Konsumierens.

Die Ursachen für den anwachsenden Drogenkonsum liegen im fortschreitenden Zerfall der Familien, der zuneh-
menden Vereinsamung sowie im Fehlen geeigneter Lebensleitbilder und Lebensperspektiven. In Kenntnis dieser Tatsachen ist es die entscheidende Aufgabe des Staates, durch entsprechende Maßnahmen und Modelle diese grundlegenden Ursachen für eine Drogenkarriere zu verhindern - neben der zur Verfügungstellung geeigneter und ausreichender Beratungs- und Behandlungsangebote für Drogenabhängige und -gefährdete.

Hilfe und Beratung sowie Informationen über das weitere Behandlungsangebot der Fachkliniken und der niedergelassenen

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