Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 17. November 2018

Ausgabe vom 11. April 2000

Der Siegeszug der Elektrizität

Serie: Regenerative Energien - Teil 1: Historischer Rückblick

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1887 betreiben in der Centralstation drei Dampfmaschinen sechs Flachring-Dynamomaschinen; Foto: Stadtwerke

Strom - kommt aus der Steckdose und gehört heute zu den selbstverständlichen Dingen des Alltags. Dabei hat erst Ende des 19. Jahrhunderts die Elektrizität die Haushalte erobert. Nach dem Energiewirtschaftsgesetz von 1935 sind die Stadtwerke verpflichtet, in ihrem Versorgungsgebiet jedermann ausreichend, sicher und preiswert mit Energie zu versorgen. Mittlerweile ist besonders die umweltfreundliche Energieversorgung in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion gerückt. Rund acht Prozent des verbrauchten Stroms in der Hansestadt wird aus sogenannten regenerativen (erneuerbaren) Energien gewonnen. Dazu zählen Wasser, Wind und Sonne, aber auch Klärgas und Deponiegas. Alle diese Möglichkeiten werden in der Hansestadt genutzt.

Mit der Kohlefaden-Glühlampe - erfunden 1854 von Heinrich Goebel, zur Massenfabrikation vervollkommnet 1879 vom Amerikaner Thomas Alva Edison - begann in der ganzen Welt der Siegeszug des elektrischen Lichts. Die Hansestadt Lübeck kann sogar für sich in Anspruch nehmen, eine der ersten deutschen Städte mit einem eigenen Elektrizitätswerk gewesen zu sein: Die "Centralstation für elektrische Beleuchtung" wurde am 16. November 1887 als das erste unter kommunaler Verwaltung stehende Kraftwerk in Deutschland in der Mengstraße 26 in Betrieb genommen. Die mit Elektrizität versorgten Häuser lagen in einem Umkreis von etwa 600 Metern.

Für viele Lübecker Bürger war der Strom unbezahlbar: Die Kilowattstunde kostete zwischen 2,5 und 25 Pfennig, der Stundenlohn eines Arbeiters lag bei 23 Pfennig.

Strom war unbezahlbar

So konnten sich nur Geschäftleute und Wohlhabende das neue Licht leisten. Zunächst bezogen 185 Kunden Strom, innerhalb von fünf Jahren hatte sich die Zahl bereits verdoppelt. Und der Stromverbrauch nahm ständig zu: Das Kraftwerk wurde mehrfach erweitert. Zusätzlich wurde 1905 ein Elektrizitätswerk in Travemünde errich- tet. Es versorgte aber nur Alt-Travemünde - das Kurhaus bekam erst 1913 elektrische Beleuchtung.

Ab 1911 bezog Lübeck vom Kraftwerk Herrenwyk, als Überlandzentrale von den Norddeutschen Kraftwerken gebaut und betrieben, zusätzlich Strom.

Während des Bombenangriffes in der Nacht zum Palmsonntag 1942 wurde die Kraftzentrale Mengstraße zerstört. Sie wurde nicht wieder aufgebaut. Damit ging die Eigenstromerzeugung der Stadtwerke verloren. Strom wurde nun ausschließlich aus den Kraftwerken Siems und Herrenwyk sowie dem Überlandnetz bezogen. Es entwickelte sich eine bis heute andauernde Zusammenarbeit mit den Norddeutschen Kraftwerken, heute PreussenElektra.

Über 100 Jahre spannt sich der Bogen von den zunächst elektrisch beleuchteten Geschäften und einigen kommunalen Behörden in der Lübecker Innenstadt des Jahres 1887 zur vollelektrifizierten Großstadt von heute. Nahezu 880 Millionen Kilowattstunden liefern die Stadtwerke Lübeck heute jährlich an ihre Kunden.

Das Kabelnetz hat eine Länge von 2100 Kilometern erreicht. Zum Netz gehören 12 Umspannwerke, drei Stützpunkte und 868 Netzstationen. Knapp 140 000 Verträge im Allgemeinen Stromtarif bestehen zur Zeit. Die privaten Haushalte haben einen Anteil von etwa 50 Prozent am gesamten Stromverbrauch. Die Zahl der Hausanschlüsse beträgt 37 400, die der Zähler rund 140 000. Im technischen Bereich der Stromversorgung arbeiten 120 Mitarbeiter.

In der nächsten Folge:

Sonne als Energiequelle

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