Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 27. Januar 1998

Neuer Glanz für das Casino

Dringend gesucht: Ein Konzept für die Travemünder Vorzeige-Immobilie

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Casino Travemünde: Ein neues Konzept muß her; Foto: M. Erz

Das Casino Travemünde steht in dieser Woche erneut auf der Tagesordnung der Bürgerschaft. Vermutlich wird es dabei zu keinem abschließenden Votum kommen, weil die beiden vorliegenden Konzepte zur Wiederbelebung der Travemünder Vorzeige-Immobilie noch nicht entscheidungsreif sind. Dies war in den vergangenen Tagen von SPD und der CDU zu hören. Man wolle den Bewerbern aufgeben, ihre Pläne bis zum Juni mit nachprüfbaren Fakten zu untermauern.

Vor einer Woche hatte sich der Hauptausschuß im Rahmen einer Sondersitzung zusammen mit zwei weiteren Fachausschüssen die Vorstellungen der beiden konkurrierenden Investoren erläutern lassen.

Zwei völlig verschiedene Ansätze

Zunächst präsentierte die Gruppe um Anders Broström aus Stockholm ihr Konzept. Der Schwede, der von Teilen der CDU-Fraktion unterstützt wird, setzt auf Visionen und geht davon aus, durchschnittlich bis zu 1000 gutverdienende Besucher am Tag zusätzlich nach Travemünde zu locken. Broström sieht in einem umfangreich umgebauten Casino und einem veränderten Kurhaushotel Platz für insgesamt 4830 Gäste pro Tag. Diese Personenzahl soll durch Kongresse, Entertainment, wie Nachtclubs und Gastronomie, angezogen werden. Der Schwede rechnet mit einem Andrang zu seinen Kongressen und Konferenzen von 25000 bis 150 000 Teilnehmern bei 180 Veranstaltungstagen. Diese Teilnehmerzahl halten Experten für völlig überhöht, da das Kongreßzentrum Hamburg im Jahr nur insgesamt 130000 Gäste erreicht - die Lübecker MuK nur 40000.

Schnelle Umsetzung gefragt

Die von der Hansestadt beauftragte Primarc Developments GmbH aus Hamburg geht hingegen davon aus, daß nur ein schnell umsetzbares, konservativ gerechnetes Konzept wirtschaftlich tragfähig sei und eine solide Basis für weitere Investitionen im Ostseestadtteil schaffen werde. Deshalb schlägt sie lediglich einen Hotelanbau direkt am Casino vor. Der Unterschied zu dem Broström'schen Konzept besteht darin, daß sich diese Variante allein auf das Casinogebäude begrenzt und auch in einem überschaubaren finanziellen und planerischen Rahmen bleibt.

Sie macht allerdings einen Abriß von denkmalgeschützten Gebäudeteilen nötig - ein Weg, den Michael Bouteiller gehen will, weil er sich inzwischen von Fachleuten habe überzeugen lassen, daß alle anderen Varianten zu große Risiken und Nachteile für die Hansestadt mit sich bringen würden. "Lieber ein konservatives überschaubares Projekt, als Luftschlösser," formulierte Bouteiller seine tendenzielle Zustimmung zur Primarc-Planung.

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