Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 27. Januar 1998

Einmal zum Mars und zurück

Halbzeit beim Bären-Traumschulhof

"Stellt euch vor, ihr fliegt mit dem Raumschiff quer durch die Galaxis bis zum Mars, dort könntet ihr euern Traumschulhof bauen, wie sähe der aus?" So und ähnlich lauteten die Fragen zu einer Phantasiereise, die die Pädagogen Stefan Mitbrodt und Heiner Ahnemann den Schülern der Schule Roter Hahn gestellt hatten. Ein Jahr ist das jetzt her. Die Schüler sind auf die Erde zurückgekehrt, den Traumschulhof, den sie entworfen hatten, scheinen sie Schritt für Schritt auch tatsächlich zu realisieren. Die beiden Pädagogen, die den Schülern zur Seite stehen sind vom Land ausgebildete Kinder"moderatoren", die darauf spezialisiert sind, die Wünsche und Anliegen von Kindern ans Tageslicht zu befördern. Als erstes bastelten die Schüler ein Sandkastenmodell, denn man braucht ja schließlich ein Anschaungsobjekt. Mit diesem Modell zogen sie jüngst zur landesweiten Ausstellung "Jugend gestaltet Zukunft", denn dort sind sie neben zwei anderen Vorzeigeprojekten aus Schleswig-Holstein ausgewählt worden.

Und das ist die Vorgeschichte: In den Jahren 1996 und 1997 kam es an der Schule Roter Hahn, einer Grund- und Hauptschule mit 400 Schülern, regelmäßig zu Zerstörungen. Sachschaden: 60 000 Mark. Schulleiter Knut Klinner ging angesichts der Situation neue Wege und engagierte kurzerhand die professionellen Helfer Mitbrodt und Ahnemann. Die bauten als erstes gemeinsam mit den Schülern eine Klagemauer und erstellten eine Wunschhitliste. Ganz obenan standen ein kleiner Zoo, ein Angelsee, eine Rotations- und Balancierscheibe, eine Inlineskate- und eine Autoscooterbahn, Streetballkörbe, eine Rückzugsecke. Alle Kinderwünsche sollten berücksichtigt werden, jeder sollte sich mit dem Schulhof in Zukunft identifizieren können. In einer zweiten Phase wurde herausgefunden, ob und wie die Wünsche überhaupt umzusetzen sind und mit welchem Kostenaufwand. Sodann schritten die Schüler zur Tat, brachten Steetballkörbe an, gestalteten einen Aromagarten, bastelten eine Bürstenwasserrutsche und ein Tiergatter. Zwar können dort keine Löwen besichtigt werden, aber Kleintiere, immerhin. Denn die Tiergärten der Umgebung oder auch vorbeiziehende Zirkusleute leihen ihre Ponys, Schafe, Ziegen und ähnliches Getier gerne an die Schüler aus. Im Oktober vergangenen Jahres war es soweit: Die Einweihung des Schulhofes nach der ersten Bauphase. Als nächstes sollen die beiden "Großprojekte", Autoscooter und Inlineskatebahn verwirklicht werden. "Die Stadtwerke haben bereits ihre Hilfe bei der Umsetzung zugesagt," freut sich Mitbrodt. Allerdings hoffen die Schüler nach wie vor auf Sponsoren, damit auch der zweite Teil des Bären-Traumschulhofes Wirklichkeit wird.

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