Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 20. Juni 2019

Ausgabe vom 09. Mai 2000

Flexibles Literatur-Museum

Noch vier Wochen bis zur Wiedereröffnung des Buddenbrookhauses

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Das neue Buddenbrookhaus ein Haus im Parterre für die ganze literarische³ Familie Mann (hier vereint in den 20er Jahren) Foto: Privat

Nur wenige Monate seit Ende 1999 war das Buddenbrookhaus wegen umfangreicher Umbauarbeiten geschlossen - in vier Wochen endlich öffnet es wieder in innen total neuer Gestalt. "Wir sind voll im Plan, aber unter Aufbietung aller Kräfte", erläutert der Leiter des Heinrich- und-Thomas-Mann-Zentrums, Dr. Hans Wißkirchen, der SZ. "Das bedeutet auch, daß die Handwerker selbst an Wochenenden und an Feiertagen die Arbeit voranbringen." Denn am
6. Juni, dem 125. Geburtstag Thomas Manns, wird in Anwesenheit von Bundespräsident Johannes Rau das eingeweiht, was sich dann ein modernes Literatur-Museum nennen kann.

Im Buddenbrookhaus gibt es also künftig im Parterre die Ausstellung zur literarischen Familie Mann aus Lübeck und daneben den erweiterten Muse- ums-Shop; darüber befindet sich das ebenfalls vergrößerte Veranstaltungs-Zentrum; in der Bel'-Etage schlägt das eigentliche Herz, nämlich die Visualisierung von Thomas Manns Welterfolg "Buddenbrooks"; unterm Dach schließlich arbeitet die Mannschaft vom Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum. Wißkirchen: "Mitte Mai wollen wir dort unsere Räume wieder beziehen."

Eine Ausstellungshülle

Die Fassade der Mengstra-
ße 4 bleibt unverändert - aber zwischen ihr und der Rückfront gibt es dann so etwas wie "eine Ausstellungshülle", so Wißkirchen. "Wir müssen flexibel auf künftige Entwicklungen reagieren können. Daher ist die gesamte Technik so konzipiert, daß wir innerhalb einer Woche auf einer Etage eine total neue Ausstellung einrichten können."

Und weil in diese Hülle alles problemlos hineingestellt werden kann, wird "alles Innenleben derzeit im Studio Hamburg produziert" - soll heißen:Die Familienausstellung unten wie auch die Buddenbrook-Zimmer oben werden von Fachleuten aufgebaut und dann einfach nach Lübeck überstellt.

Da das neue Buddenbrookhaus das Literatur-Projekt der Expo 2000 ist, hat es in den Medien bereits international enorme Resonanz gefunden. Zudem ist es im Expo-Vip-Bereich eines der Hauptmotive, so daß damit ein besonders guter Hinweis auf Lübeck sichtbar wird. Die Mannschaft der Kulturstiftung der Hansestadt mache sich große Hoffnungen. "Die Ausstellungen werden sich offenbar lohnen."

Soeben in Druck gegangen ist ein neuer, 280 Seiten starker Begleitband. "Hierin wird Vieles erstmals systematisch dargestellt", so Wißkirchen, "hier finden sich auch neue Ergebnisse der Heinrich und Thomas Mann-Forschung." Zugleich wird es zwei neue Führer zu den beiden ständigen Ausstellungen geben.

Kurator der Kunststiftung

Durchaus zuträglich für die Arbeit des Buddenbrookhauses ist, daß Dr. Wißkirchen in diesem Jahr der Kurator der "Kunststiftung Landesbank Schleswig-Holstein" ist. 1992 wurde sie ins Leben gerufen. Lübecks ver- storbener Museumsdirektor
Dr. Gerhard Gerkens war der erste Kurator, dem weitere aus dem Bereich der Bildenden Kunst folgten. Nun ist also erstmals ein Mann der Literatur der von einem Kuratorium berufene Fachkurator - und das Jahresbudget von 100 000 Mark "ermöglicht Dinge, die in den Finanzen sonst nicht drin sind".

Das betrifft nicht allein Veranstaltungen zu Heinrich Manns 50. Todestag - wie dem kürzlich abgehaltenen Symposium - und Thomas Manns 125. Geburtstag, sondern auch manch weitere, die Literaturszene im Lande fördernde Maßnahme.Güz

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