Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 26. Juni 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

Junghans noch nicht gewählt

Bürgerschaft verschiebt die Wahl des neuen CDU-Wirtschafts- und Sozialsenators

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Hermann Junghans; Foto: M. Rulfs

Als Hermann Junghans sich vor dem Rathaus fotografieren läßt, fragt eine Passantin: "Wer ist denn der junge Mann?" - Antwort: "Er könnte der neue Wirtschafts- und Sozialsenator sein." "So jung und schon Senator? Na, hoffentlich macht er es besser als die Alten!"

Wäre es nach der CDU gegangen, hätte die Bürgerschaft Junghans am vergangenen Mittwoch bereits zum Senator wählen können. Das ging SPD und Grünen jedoch zu schnell. Sie lehnten einen Dringlichkeitsantrag der CDU-Fraktion, Junghans zu wählen, ab. Die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Gabriele Hiller-Ohm, sagte: "Das war ein sehr enges Zeitmanagement von der CDU. Wir haben erst gestern von dem Vorschlag erfahren und hatten bisher nicht viel Gelegenheit, mit Junghans zu sprechen. Schließlich wollen wir Herrn Junghans nicht nur aus Interviews in den Medien kennenlernen." Auch die Grünen bräuchten mehr Zeit, sich mit der Person des neuen Senators auseinanderzusetzen. Susanne Hilbrecht von den Grünen sagte, so eine wichtige Entscheidung müsse überlegt getroffen werden.

Peter Sünnenwold, CDU, nahm die Ablehnung des Antrags seiner Partei gelassen hin. "Wir haben das erst als etwas kleinkariert empfunden. Aber dabei an die Aufkündigung der Kooperation mit der SPD zu denken, wäre zu hoch aufgehängt." Der Vorsitzende der Fraktion, Klaus Puschaddel, fand es schade, daß Junghans seinen Dienst statt am 1. Juli erst am 1. August antreten könne und daß die Hansestadt solange keinen Wirtschaftssenator habe, aber es gehe auch so. Schließlich habe die CDU im Jahr 1997 auch die Wahl des Bausenators verzögert, und vielleicht sei das jetzt der Ausgleich dafür. "Ich habe aber keine Signale dafür, daß die Person nicht gewollt wird, und ich habe keine Sorge, daß am 29. Juni die Entscheidung dann auch so getroffen wird."

Der 34jährige Hermann Junghans lockerte seine Krawatte in der Sitzungspause, nachdem der Antrag abgelehnt wurde. "Mir ist es lieber, das in einem Monat solide zu machen, als jetzt holterdiepolter, dann haben die anderen Fraktionen auch mehr Zeit, mit mir zu reden." Wenig später, noch während der Sitzung, machte er sich mit seinem Kalender auf den Weg zu den Fraktionsvorsitzenden, um Termine abzusprechen.

Junghans, selbstständiger Rechtsanwalt in einer Sozietät an der Holstenstraße, war bisher als CDU-Bürgerschaftsmitglied weder im Wirtschafts-, noch im Sozialausschuß tätig, ist jedoch Vorsitzender des Kulturausschusses. Seine Erfahrungen mit den Bereichen, für die er als Senator zuständig sein wird, stammen vornehmlich aus dieser und aus seiner beruflichen Tätigkeit.

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