Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 21. Juni 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

"Die Hanse nach vorn gebracht"

Delegierte beschließen Satzung - Vormann kommt nicht automatisch aus Lübeck

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Eröffnung des Hansetages mit (v.li.) Jan Lindenau, Bernd Saxe, die stellvertretende Stadtpräsidentin C harlotte Harnack sowie Zwolles Bürgermeister Jan Cees van Hasselt; Foto: M. Langentepe

Die Zeit der ausschließlich mündlichen Absprachen im Hansebund ist zu Ende. Seit dem
29. Mai 2000 gilt eine neue Satzung, die das Zusammenwirken der inzwischen 209 Hansestädte in 16 Ländern verbindlich miteinander regelt. Dies beschloß die Delegiertenversammlung, das höchste Beschlußorgan des Hansebundes, am Sonnabend, 27. Mai, auf dem 20. Hansetag der Neuzeit im niederländischen Zwolle. Die Entscheidung, an der sich rund 90 Städte beteiligten, erfolgte einstimmig. "Zwolle gab den Anstoß und bringt den Hansebund nun auch auf den Weg zu einer professionelleren Zukunft", sagte der Vorsitzende der Hansekommission und "Vormann" Bernd Saxe. Der Lübecker Bürgermeister war bisher automatisch "Vormann" der Hanse.

Alle Hansestädte verpflichten sich zur Einhaltung der vereinbarten Regelungen, die in dem neuen Vertragswerk mit insgesamt 14 Paragraphen niedergelegt worden sind. Die Satzung ist in einer rund zwei Jahre dauernden Arbeit unter Saxes Vorgänger Michael Bouteiller erarbeitet und auf den Weg gebracht worden.

Die Satzung schafft einerseits ein verbindlicheres Miteinander der Mitgliedsstädte und macht den größten internationalen Städtebund auch als Ansprechpartner für andere Organisatoren und Unternehmen greifbar. Vorsitzender ist künftig ein gewählter "Vormann", der wie bisher amtierender Bürgermeister einer Hansestadt sein muß. Bislang stellte ausschließlich Lübeck den Vormann - ein Verfahren, das auf dem kommenden Hansetag 2001 in Riga erstmals durch eine Wahl ersetzt wird.

Die Delegiertenversammlung, in der jede Hansestadt unabhängig von ihrer Einwohnerzahl eine Stimme hat, bleibt als höchstes Beschlußorgan erhalten, wie auch die Hansekommission, die zwischen den jährlich stattfindenden Hansetagen die Arbeit der Hanse koordiniert und außerdem das neu eingerichtete Präsidium - eine Art geschäftsführender Vorstand - kontrolliert. Dem Präsidium gehören neben dem Vormann zwei Stellvertreter an. Die drei Präsidiumsmitglieder sollten aus drei verschiedenen Staaten kommen, eine Regelung, mit der die Hanse ihre Internationalität unterstreichen will.

Der Hansekommission ge -hören künftig 20 stimmberechtigte Mitglieder an, die jeweils die Hansestädte ihres Landes in dem Gremium vertreten. Einzige Ausnahme: Aus Deutschland kommen wegen der großen Zahl von rund 120 Hansestädten fünf Kommissionsmitglieder. Das Präsidium ist mit drei Sitzen in der Kommission vertreten, die Youth Hansa mit einem Sitz und einer Stimme. Nicht stimmberechtigt sind die beiden Städte, die jeweils den letzten und kommenden Hansetag ausrichten und laut Satzung beratend an den Kommissionssitzungen teilnehmen sollen.

Der 1980 in Zwolle wiedergegründete Hansebund trägt künftig schlicht den Namen "DIE HANSE". Andere Bezeichnungen wie "Internationaler Hansebund" oder "Hanse der Neuzeit" verschwinden.

Der in Riga im Jahr 2001 erstmals zu wählende Vormann - eine Position, für die sich Lübeck laut Saxe wieder bewerben wird - muß in seiner Stadt ein Hansebüro einrichten. Es unterstützt die Leitungsgremien der Hanse in ihrer Arbeit.

Mitgliedsbeiträge wird es auch künftig in der Hanse nicht geben. Die Finanzierung der hanseatischen Aktivitäten soll auf bewährte Wege zurückgreifen: Die Administration wird von der Stadt des jeweiligen Vormannes getragen, für den Hansetag kommt die ausrichtende Stadt mit ihren Sponsoren auf. Die wichtigste Arbeit der Hanse soll künftig jedoch in sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Projekten stattfinden, die jeweils von denjenigen Mitgliedsstädten finanziert werden, die an den Projekten teilnehmen wollen. Die Kosten für die Gremienarbeit in der Kommission, dem Präsidium und der Delegiertenversammlung tragen jeweils die Städte, die in diese Gremien gewählt sind.

"Der 20. Internationale Hansetag in Zwolle hat den Hansegedanken gestärkt, die Hanse nach vorn gebracht, sie fit gemacht für die kommenden Jahre und Jahrzehnte", sagte Vormann Bernd Saxe im Anschluß an die Delegiertenversammlung in Zwolle. Er dankte den Bürgerinnen und Bürgern von Zwolle für ihre Gastfreundschaft und ihre Verdienste für den Hansebund.

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