Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

Ein Markt wie aus der guten alten Zeit

Die Stände der Hansestadte laden zum Verweilen und Kaufen ein

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Der Deventer Hansesänger Günter Kropp zusammen mit den Bergener Musikanten auf dem Hansem arkt; Foto: M. Erz

Ein wesentlicher Bestandteil des Hansetages ist der Hansemarkt, eine Plattform, auf der sich die teilnehmenden Hansestädte präsentieren. Im Vordergrund steht die Information über die einzelnen Hansestädte - und damit auch der Versuch, Gäste in die jeweilige Stadt zu locken. Neben der Information aber locken die Städte mit ihren kulinarischen oder kulturellen Vorzügen. Ein Bummel.

Musik erklingt aus allen vier Himmelsrichtungen: Popmusik von der Bühne am Wasser, Blasmusik vom Stand der Oldenzaaler, Zithermusik von Ravita Gerke aus Lettland und Banjo, Tuba und Gitarrenmusik am Stand aus Tallinn. Trotzdem entsteht kein unhörbares Gemisch; vielmehr geleiten und begleitenden die unterschiedlichen musikalischen Angebote den Marktbesucher über den Hansemarkt in Zwolle.

In diesem Jahr, freuen sich Sabine Alsdorf und Margit Schmidt vom Stand der Lübeck und Travemünde Tourismus-Zentrale (LTZ), seien die Besucherinnen und Besucher wesentlich aufgeschlossener als beispielsweise 1999 in Oldenzaal. "Sie fragen konkret nach Pauschalangeboten und gehen nicht am Stand vorbei", so Alsdorf. Und: "Sie kennen Lübeck." Beide Standbetreuerinnen führen dies auf eine bessere Werbung für den Markt zurück. So würden beispielsweise Schülerrallyes über den Hansemarkt veranstaltet - und damit schon die Jüngsten auf die Hanse-Idee gestoßen. Dabei sei das Angebot in diesem Jahr geringer, viele Hansestädte hätten sich gar nicht am Markt beteiligt.

Die Marktstände sind überwiegend Container, die als Verbindung zum Wasser gedacht sind. Das ist ein Hansemarkt neuen Stils - Versinnbildlichung des diesjährigen Hansetagmottos "Brücken in die Zukunft schlagen". Aber nicht alle Marktbeschicker haben diese Idee originell umgesetzt - trotz eines Wettbewerbes um den schönsten Container. Insgesamt, urteilen viele BesucherInnen, wirke der Container-Stand-Markt nicht so anheimelnd wie in anderen Jahren. Dennoch: Bier der Marke "Mord und Totschlag" aus Kyritz an der Knatter, Schnaps aus der niederländischen Hansestadt Bolsward, Hering-Crépes aus Finnland, Marmelade aus Gotland, selbstgedrehte Zigarren aus Hasselt, Buddelschiffe aus Hamburg, Bekleidung und allerlei Kunsthandwerk wie zum Beispiel die Arbeiten von Meister Tauno Kangro aus Tallinn locken die Besucherinnen und Besucher an die Stände, laden zum Verweilen, zum Probieren und zum Kaufen ein.

Die Atmosphäre dabei ist freundlich: Man hat Zeit für ein Schwätzchen, man schaut sich um, tauscht sich aus und genießt das bunte Treiben. Ganz im Sinne eines Marktes, wie er zu Zeiten der alten Hanse hätte stattfinden können. Dieser Eindruck wird noch unterstrichen durch mittelalterlich kostümierte Sänger, Mönche, Soldaten oder auch Ratsvertreter, die sich wie selbst- verständlich unter die modern gekleideten Gäste mischen.

So ist der Hansemarkt nicht nur ein Handelsmarkt, auf dem die Produkte und Gulden ihre BesitzerInnen wechseln; er ist vor allem ein Schmelztiegel unterschiedlicher Sprachen, Mentalitäten und Persönlichkeiten - ganz so wie vor vierhundert Jahren. Die Hanse lebt.

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