Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 24. Juni 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

Das Leitbild für Lübeck

In der Fassung der Diskursgruppe vom 9. Mai 2000

Die Zukunft der Hansestadt Lübeck ist im 21. Jahrhundert wieder eng mit der Entwicklungsdynamik im Ostseeraum verbunden. Sie war das Zentrum der Hanse und bis 1937 selbständiger Stadtstaat. Diese prägende Vergangenheit ist auch dadurch anerkannt, daß die UNESCO das mittelalterliche Stadtbild in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen hat. Diese Attraktion für den Tourismus wird durch eine Umgebung mit guten Erholungsmöglichkeiten aufgewertet, wobei Travemün- de mit Sandstränden, Steilküste und touristischer Infrastruktur eine besondere Position innehat. Mit 215 000 Einwohnern ist Lübeck neben Kiel eine der beiden Großstädte Schleswig-Holsteins und hat den größten Hafen für den Fährverkehr nach Skandinavien sowie für die Holzindustrie in der Ostseeregion. Seit 1989 bestehen wieder intensive Beziehungen mit dem Umland in Mecklenburg-Vorpommern. Um die damit verbundenen Aufgaben zu meistern, ist ein Wegweiser notwendig, der erstrebenswerte Ziele für die äußere und vor allem innere Entwicklung Lübecks vorgibt.

Kultur und Kommunikation stärken das Selbstbewußtsein der Stadt in besonderer Weise, denn es gibt ein Stadttheater und ein Philharmonisches Orchester. Die Musikhochschule, die Musik- und Kongreßhalle, Fachhochschulen und die Medizinische Universität begründen Lübecks Ruf als Standort überregional, ja international beachteter Forschung und Lehre. Gerade im Bereich der Informations- und Medientechnologie sind zukunftsweisende Initiativen zu erkennen. Aber auch die Volkshochschule, die zahlreichen Museen und Kinos bilden eine vielfältige Kulturszene, die noch vom Theater Combinale, dem Kommunalen Kino und der Interkulturellen Begegnungsstätte erweitert wird. Für frauenspezifische Angelegenheiten besteht ein gutes Beratungs- und Informationsangebot, das die vorhandene Infrastruktur für die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Stadt unterstützt.

Demokratische Gestaltungder Stadt

Wir in Lübeck verpflichten uns, Konflikte in einem geregelten Dialog auszutragen.

Die Dialogkultur hat in Lübeck verbindliche Formen. Sie zu erlernen, gehört zum Repertoire an den Schulen und zum Angebot in der Weiterbildung. Wenn bei Interessenkonflikten der Dialog stockt, stehen unparteiische ModeratorInnen beziehungsweise offizielle SchlichterInnen oder MediatorInnen zur Verfügung. Außerdem gibt es regelmäßig Mitwirkungsangebote wie Anhörungen von BürgerInnen, Foren der Begegnung, Runde Tische zu besonderen Themen sowie Stadtteilbüros und den Briefkasten für BürgerInnen, um eine möglichst hohe Anzahl von EinwohnerInnen Lübecks am kommunalen Geschehen zu beteiligen. Kinder und Jugendliche können von ihnen ausgewählte Themen zur Diskussion stellen. Dazu gehören auch die Auszeichnung als "Bürgerin oder Bürger für Lübeck", eine Beauf-tragte oder ein Beauftragter für BürgerInnen und eine "Ideenbörse" über Internet.

Diese konstruktive Dialogkultur wird von einer angemessenen und fairen Berichterstattung in den lokalen Medien ergänzt. Von BürgerInnen befürwortete Ortsbeiräte in Stadtteilen tragen zur lebendigen Gestaltung der Dialogkultur bei und finden Gehör und Unterstützung.

Wirtschafts- und Umweltschutzverbände führen einen geregelten Dialog, der Konsens und Kooperation anstrebt.

Wirtschafts- und Naturschutzverbände in Lübeck sind bereit, bei umstrittenen Projekten oder Neuplanungen, die vorhandene Naturräume beeinträchtigen, konsensfähige Lösungen zu erarbeiten. Bei ihren regelmäßigen Treffen sind die konstruktiven Diskussionen ihrer Interessenkonflikte vom Willen zur Zusammenarbeit geleitet. Ein geregelter Dialog sorgt dafür, daß auch bei Wertekonflikten tragfähige Kompromisse gefunden werden können.

Unterschiedliche Kulturen und Lebensstile haben in Lübeck ein Zuhause und gestalten die Stadt mit.

Alle BürgerInnen wirken gleichberechtigt an der Gestal-tung Lübecks mit. Wir tragen Verantwortung für die öffentlichen Angelegenheiten in der Stadt und das soziale Miteinander. Kompromißbereitschaft statt Egoismus stellt die Grundlage des funktionierenden Gemeinwesens dar. Die Stadt stellt sich gegenüber ihren BürgerInnen positiv dar. Es existiert ein gutes soziales Klima. Das positive Stadtbild wird von allen nach außen getragen und dient grenzübergreifender Kooperation. Für Kinder und Jugendliche bestehen optimale Entwicklungsmöglichkeiten und schulische Integration. Wir fördern und unterstützen die kulturelle Vielfalt der Stadt sowie den "Fairen Handel" mit den Ländern der Dritten Welt. Das Konsumverhalten der BürgerInnen entspricht der sozialen und ökologischen Verträglichkeit.

Aufgrund einer generellen Bereitschaft zum Konsens hat der Dialog als zivilisierte Streitkultur ein hohes Prestige. Die besondere Aufmerksamkeit der LübeckerInnen gilt dabei sowohl den speziellen Interessen von Jungen und Mädchen, Frauen und Männern, SeniorInnen sowie eingewanderten Menschen als auch den Schwierigkeiten sozialer Problemgruppen wie zum Beispiel denen der Drogenszene. Für sie gibt es dezentrale Beratungsstellen, Einrichtungen für die Hilfe zur Selbsthilfe und andere Institutionen. Die regelmäßig öffentlich geförderten und freien Kulturinstitutionen garantieren ein vielfältiges Angebot. Die finanzielle Förderung wird transparent gestaltet. In öffentlichen Foren diskutieren die Beteiligten Fragen und Probleme kooperativer Umgangsformen.

Ein vertrauensvolles Miteinander von Einheimischen und Zugewanderten ist in Lübeck etabliert.

Zugewanderte und Einheimische respektieren die jeweils anderen Kulturen und Lebensstile. Zugewanderte anderer Nationalitäten sind im demokratischen Gemeinwesen gleichberechtigt. Während die Interkulturelle Begegnungsstätte Gelegenheiten zur Förderung gegenseitigen Vertrauens bietet, unterstützt eine Beauftragte oder ein Beauftragter für MigrantInnen die Kommunikation und Vernetzung der Informationen zur Kommune. Außerdem haben Zugewanderte ein politisches Forum, wodurch sie bei der Bürgerschaft in kommunalen An gelegenheiten aufgrund eines Rede- und Antragsrechts mitbestimmen.

Die Verwaltung hat mehrsprachige Formulare, um Probleme des Sprachverständnisses zu reduzieren, und das Personal hat Kenntnisse über Einwandererkulturen, damit es angemessener auf die Zugewanderten eingehen kann.

Wir in Lübeck stehen gegen rechtsradikale und andere undemokratische Gruppen zusammen.

Nachdem das Ansehen der Hansestadt Lübeck durch kriminelle Aktivitäten rechtsradikaler Gruppen national wie international beschädigt worden ist, hat in Lübeck ein Umdenken begonnen. Den Bedrohungen rechtsradikaler Aggressivität setzen die BürgerInnen Zivilcourage und Verantwortung für das Gemeinwohl entgegen. Sie befassen sich mit geeigneten Maßnahmen zur Verhinderung undemokratischer Tendenzen.

In Lübeck nehmen Frauen und Männer gleichberechtigt Einfluß auf die Zukunft der Stadt.

In den ökonomischen, sozialen, ökologischen und kulturellen Entwicklungen der Stadt spielen die Erfahrungen und Bedürfnisse beider Geschlechter eine gleich- rangige Rolle. Die Orientierung auf tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter wird in allen Lebensbereichen verfolgt. In der Bürgerschaft und ihren Ausschüssen wie auch in anderen Entscheidungsgremien sind Frauen gemäß ihres Anteils an der Bevölkerung vertreten. Auch hohe Funktionen und Posten in Vorständen und Aufsichtsräten sind zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt. Partizipations-, Diskussions- und Aktionsformen, die die spezifischen Erfahrungen und Bedürfnisse von Frauen aufgreifen, sichern in Lübeck die Einbeziehung von Frauen und Mädchen. Unterschiede hinsichtlich Alter, kultureller Herkunft, Lebensweise und Beschäftigung werden berücksichtigt.

LübeckerInnen engagieren sich vorbildlich bei der Aktion "Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit".

Die integrierende Kraft des Sports ist in unserer Stadt von großer Bedeutung: Sport aktiviert auch ältere Menschen. Sport verbessert den Umgang der Generationen miteinander, und Sport erfüllt bei uns eine soziale Aufgabe im vorbeugenden Jugendschutz. Deshalb ist für uns eine aufmerksame Betreuung für die mehr als 3000 zumeist jugendlichen MigrantInnen in unseren Sportvereinen selbstverständlich. Bei der landesweiten Aktion "Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit" setzen wir in Lübeck sichtbare und positive Signale. Die im Sport ehrenamtlich tätigen BürgerInnen unterstützen wir deshalb nach Kräften. Ihr freiwilliger Einsatz stärkt ein Wesensmerkmal unserer Demokratie.

Natur und Kulturerbe

Das reiche Naturerbe Lübecks ist gesichert und wird nachhaltig entwickelt.

Das Naturerbe in Lübeck hat in einer Landschaft mit zahlreichen Gewässern (Trave, Wakenitz, Ostsee) und unterschiedlichen Strukturen eine große Vielfalt an Arten und Lebensräumen. Wir nutzen und entwickeln diese unserer Generation überlassene Kulturlandschaft nach den Grundsätzen sozialer, ökonomischer und ökologischer Nachhaltigkeit weiter. Geeignete Maßnahmen führen dazu, daß die Belastung der

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