Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 30. Mai 2000

Warum die Zwoller auch "Blaufinger" genannt werden

Die niederländische Stadt ist das wirtschaftliche Zentrum der Region Overijssel - Über 100 000 Einwohner

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Zwolle: Das "Haus mit den Köpfen" hnelt dem Lübecker Giebeltyp; Foto: T. Wewer

Zwolle wurde im achten Jahrhundert nach Christus gegründet. Damals ließen sich friesische Kaufleute zwischen zwei Armen des Flüßchens "Zwarte Water" ("schwarzes Wasser") nieder. Diese Siedlung entwickelte sich schnell zu einem richtigen Hafen, Kaufleute bauten dort ihre Handels- und Warenhäuser. So wuchs Zwolle zu einer richtigen Stadt heran. Am 31. August 1230 erhielt Zwolle aus den Händen des Bischhofs von Utrecht die Stadtrechte.

Der Fluss "Aa" liefert möglicherweise eine Erklärung für den Namen Zwolle: Infolge des Hochwassers nach Herbstregen sprach man von einer "angeschwollenen Aa", daraus könnte der Name "Swolla" entstanden sein. Zwolle hat heute mehr als 106 000 EinwohnerInnen und ist Hauptstadt der Provinz Overijssel.

Zwolle hatte bereits 1294 die Stadt Lübeck als Haupt der Hanse anerkannt, dennoch dauerte es noch bis zum 9. Juni 1407, ehe Zwolle vom Hansebund offiziell als "hanseberechtigte Stadt" zugelassen wurde. Dies lag vor allem am Widerstand der niederländischen Stadt Deventer, die aus der Region Overijssel einen Stadtstaat unter ihrer Führung machen wollte und deshalb andere niederländische Städte in ihrer Entwicklung behinderte.

Größter Viehmarkt

Mit dem Beitritt Zwolles zur Hanse begann für die Stadt das "goldene Jahrundert": Zwolle erlangte aufgrund des Handels und der Handwerkskunst sowohl auf kirchlichem als auch auf kulturellem Gebiet große Bedeutung. Die Stadt wurde ein Zentrum von Kunst und Kultur.

Somit war Zwolle ein einflußreiches Mitglied des Hansebundes, zugleich aber auch eine Stadt der Baumeister, Maler, Dichter und Theologen und Politiker. Heute ist Zwolle eine Stadt der High-Tech-Ansiedlung und nicht zuletzt deshalb das wirtschaftliche Zentrum der Umgebung. Zum Beispiel findet noch heute einer der größten Viehmärkte der Niederlande in der Stadt im Deichvorland der Ijssel statt.

Im Schöffensaal, dem heutigen Standesamt der Hansestadt Zwolle, wurde zur 750-Jahr-Feier der Stadt im Jahr 1980 mit dem ersten Hansetag der Neuzeit die Tradition der alten Hanse wiederbelebt. 20 Jahre später ist Zwolle nun wieder Gastgeberin des Hansetages der Neuzeit gewesen.

Der Spitzname der Zwoller ist "Blaufinger", das hat aber nichts mit niedrigen Temperaturen zu tun; vielmehr verdanken die niederländischen Hansestädter diesen Spitznamen ihrem Glockenspiel im Turm der St. Michaels-Kirche. Nachdem der Turm der Kirche 1669 zum dritten Mal vom Blitz getroffen wurde und ausbrannte, wurden die Reste der Uhr in dem Turm zu einem hohen Preis an die benachbarte Hansestadt Kampen verkauft.

Doch die Kampener erkannten schnell, daß sie einen viel zu hohen Preis bezahlt hatten. Also beschlossen die Kampener, den Kaufpreis in Form von Kleingeld zu bezahlen. So kam es, daß die Zwoller Wochen brauchten, um das Geld zu zählen - dabei zählte man sich die Finger unweigerlich blau.

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