Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. April 2019

Ausgabe vom 27. Januar 1998

FilmTip

Kaspar Hauser in der Berliner U-Bahn

"Wenn zwei Verliebte am Bahnsteig stehen, ruft der Schaffner: Verliebt bleiben, bitte!, und wenn da welche verrückt sind und ein bißchen Graffitti machen, heißt es: Verrückt bleiben!" So erklärt Torsten Ricardo Engelholz seine große Leidenschaft, die Berliner U-Bahn. "Die U-Bahn könnte ich heiraten, denn sie ist treu. Sie verläßt mich nicht. Die U-Bahn kommt immer an." Von seinem Stammplatz am Fenster hat er jeden Meter des Berliner U-Bahnnetzes erkundet. Am liebsten unterirdisch. Die Dunkelheit prägte sein Leben. Den Großteil seiner Kindheit vegetierte er in einer abgedichteten Kammer, später wurde er ins Heim abgeschoben und in der Psychiatrie weggesperrt. Mit 20 begann er zu malen und zu schauspielern und sich - mit einer Mischung aus Mißtrauen und Neugier - in die Umwelt zu integrieren. Heute hat er seine eigene Wohnung, arbeitet in der Werkstatt und am Theater Thikwà, wo er Woyzeck, Kaspar Hauser und Orpheus verkörpert. Der Film ist eine faszinierende Entdeckungsreise, bei der die U-Bahn direkt ins Universum führt und eine Weltsicht eröffnet, in der die Grenzen von Normalität und Wahnsinn verwischen. Die Regisseurin Elfi Mikesch zeichnet ein Portrait des (Lebens-)künstlers und Philosophen Torsten Ricardo Engelholz: Verrückt bleiben, verliebt bleiben, 3. 2., 20 Uhr, Kommunales Kino

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