Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 18. Februar 2019

Ausgabe vom 06. Juni 2000

Editorial

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Zigarren kann man rauchen oder für erotische Spiele zwischen Mann und Frau benutzen. Das haben wir vom amerikanischen Präsidenten William ("Bill") Jefferson Clinton und der Praktikantin Monika Lewinsky. gelernt. Was aber spricht dafür, daß dieses Spielchen die amerikanische Politik beeinflußt hat?

Hermann Junghans möchte Wirtschafts- und Sozialsenator werden. Das scheint aber nicht allen Menschen in dieser Sadt zu gefallen, deshalb werden die Medien zur Zeit mit Informationen aus Junghans' Privatleben versorgt. Und wieder stellt sich die Frage: Was hat das Private mit dem Amt zu tun?

In Deutschland gab es bei den Medien bisher das - ungeschriebene - Gesetz, daß über das Privatleben von Politikern nichts veröffentlicht wird - vorausgesetzt, daß privates Verhalten keinen Einfluß auf das öffentliche Amt hat.

Ist im Falle Junghans ein diesbezüglicher Zusammenhang erkennbar? Für uns zur Zeit eindeutig nicht. Deshalb verzichten wir darauf, scheinheilig entrüstet zu sein, um gleichzeitig genüßlich auszubreiten, was gewesen sein könnte oder wirklich gewesen ist. Für uns gilt der alte Rechtsspruch: In dubio pro reo, zu deutsch: Im Zweifelsfalle für den Angeklagten. Und der Ausspruch eines Vollblutpolitikers: Die Steigerung von Feind ist Parteifreund. Das erlebt Junghans - und mit ihm seine Familie - zur Zeit.

Ihre SZ-Redaktion

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