Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 21. Februar 2019

Ausgabe vom 06. Juni 2000

Ein Literatur-Museum im neuen Stil

Buddenbrookhaus wiedereröffnet: Ausstellungen, Archiv, Buchhandlung

1280501.gif
Die neue Ausstellung: Blick in das Landschaftszimmer aus den "Buddenbrooks; Foto: M. Rulfs

Wenn am 6. Juni zum 125. Geburtstag Thomas Manns nach kurzer Umbauzeit das Buddenbrookhaus durch Bundespräsident Johannes Rau wiedereröffnet wird, dann präsentiert sich in der Mengstraße 4 auf vier Etagen ein Literatur-Museum neuen Stils. Es trägt den Bedürfnissen der Information "zum Anfas- sen" ebenso Rechnung wie der wissenschaftlichen Forschung.

Zeitgerecht haben alle Planer und Ausführenden von Dr. Hans Wißkirchen, dem Leiter der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck, bis zu Andreas Heller, dem Chef des gleichnamigen Studios für attraktives Innenleben öffentlicher Räume, das Buddenbrookhaus zu einem hochinteressanten Bauwerk gemacht.

Es gefällt die nunmehr groß- zügige Raumsituation schon in der Diele. Von ihr geht es in die vergrößerte Buddenbrook-Buchhandlung :Die Werke der Schrift- steller-Familie Mann sind hier erhältlich, darüber hinaus gibt es ein großes Sortiment an Artikeln rund um die Familie - der Spezial-Rotspon ist einer davon.

Der Shop führt in die ständige Ausstellung "Die Manns - eine Schriftsteller-Familie". Neu konzipiert, können anhand von reichhaltigem Bildmaterial, in die Ausstellung integrierter Lesepulte und filmischen Dokumentationen die Ursprünge der Familie, die Höhepunkte bei Heinrich und Thomas Mann sowie die nächste Generation nachvollzogen werden.

Völlig neu ist auch der Weg "nach oben":Neben dem Treppenhaus an der Mengstraße erschließen nun ein zweites sowie ein Fahrstuhl an der Rückfront die oberen Etagen. Wißkirchen freut sich über "mehr Licht, mehr Durchlässigkeit und ganz andere Möglichkeiten für Veranstaltungen". Und der brasilianische Schiefer, eine Reminiszenz an die aus Brasilien stammende Mutter von Heinrich und Thomas Mann, auf den ersten drei Ebenen, paßt thematisch wie optisch ins Haus.

Das Zwischengeschoß ist fast gänzlich zum Veranstaltungsraum umgewandelt. Bis zu 200 Plätze stehen zur Verfügung, damit künftig neben der Vielzahl von Vorträgen auch die großen Tagungen sowie Symposien an dem Ort durchgeführt werden können, wo die Literaturgesellschaften ihren Sitz haben.

Dann kommt die Bel-Etage, Herzstück des Buddenbrookhauses. Zuerst fällt der Kubus der Bibliothek ins Auge, wo ein Rundum-Sehschlitz Einblick gibt in die vielen Regal-Meter mit den Mann-Werken sowie der stetig anwachsenden Sekundärliteratur. Der Kubus ist zugleich das Archiv und die Arbeitsstätte für Literaturwissenschaftler.

Endlich steht der Besucher vor den Buddenbrooks:Säulenhalle, Landschaftszimmer mit Kamin und Speisesaal mit den Götterfiguren und schweren roten beziehungsweise gelben Vorhängen vor den Fenstern, wie Thomas Mann alles in seinen "Buddenbrooks" beschrieben hat - authentisches Lübeck des späten 19. Jahrhunderts.

Der Roman ist also an den Hauptschauplatz seiner Handlung in der Mengstraße zurückgekehrt. Und er läßt sich anhand von Möbeln und Requisiten, Fotos und Urkunden, Büchern und Plakaten neu entdecken. Wer tiefer in die Materie eindringen will, kann am Computerterminal in der Buddenbrook-Datenbank recherchieren.

Der vierte Stock beherbergt endlich ausreichende Büroräume, komplett vernetzt, abseits des Trubels darunter, aber eng ins Geschehen eingebunden.Güz

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de