Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 06. Juni 2000

Auf neuestem Stand

Deponiegas treibt Motoren an - Umwelt entlastet

1280703.gif
Fünf Kilometer wird das Gas zum BHKW befördert; Grafik: Privat

In der ersten Ausbaustufe wurden in Niemark 77 Gasbrunnen installiert. 1998 wurden sie durch weitere 40 Brunnen ergänzt. Die Brunnentiefe beträgt zwischen 25 und 43 Meter. Sie sind vertikal mittels Ramm- und Bohrverfahren nachträglich in den Deponiekörper eingebracht worden. Bei optimaler Einstellung ist ein Gasbrunnen in der Lage, 67 Kubikmeter pro Stunde zu fördern. Das gesamte Drainagenetz umfaßt rund 15 Kilometer Rohrleitungen.

In den Gassammelstationen am Deponierand wird das Gas analysiert und je nach Beschaffenheit zur Verdichterstation geleitet, wo es auf unter fünf Grad Celsius abgekühlt und getrocknet wird. Dabei werden ihm bereits viele Schadstoffe entzogen. Anschließend wird es dem fünf Kilometer entfernten Blockheizkraftwerk (BHKW) zugeführt.

Im Blockheizkraftwerk treibt das Gas vier Motoren mit einer elektrischen Leistung von je 585 Kilowattstunden an. Pro Motor entsteht gleichzeitig eine thermische Leistung von 640 Kilowattstunden. Der erzeugte Strom wird mit einer Spannung von 10 000 Volt in das Stadtwerkenetz eingespeist. Die erzeugte Wärme erhitzt einen Wasserkreislauf mit rund 48 Kubikmetern konstant auf 95 Grad Celcius. Dieses Fernwärmenetz sind die Heizungen der Entsorgungsbetriebe, der Firma Storebest und die von 77 Wohnungen in der Nachbarschaft.

Rund 18,5 Millionen Mark wurden in die komplette Deponiegasverwertungsanlage investiert. Im voraus wurde per Gutachten geprüft, ob es günstiger ist, das Gas abzufackeln oder zu nutzen. Aufgrund der Größe der Deponie ist eine motorisch-elektrische Nutzung sinnvoll. Die Anlage trägt sich fast von allein.

Die Verwertung des umweltschädlichen Deponiegases ist zudem gesetzlich vorgeschrieben. Durch dessen Verwendung im BHKW werden jährlich rund 5,4 Millionen Liter Heizöl oder 5,4 Millionen Kubikmeter Erdgas eingespart. Das reduziert die Belastung mit Kohlendioxid um rund 15 Millionen Kilogramm.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de