Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 27. Januar 1998

Bringt das neue Konzept den Durchbruch?

Altstadtverkehr: Zum ersten Mal einigen sich Wirtschaft und Initiativen auf ein gemeinsames Vorgehen

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Verhandlungsmarathon mit Zeichenübungen: Abteilungsleiter Helmut Schünemann und Initiativen-Sprecher Hans Meyer (r.); Foto: M.Erz

Die Einigung kam auf leisen Sohlen. Sie schickte ihren Boten voraus, als niemand mehr mit ihr gerechnet hatte. Es ist Montag, 12. Januar 1998, kurz nach 20 Uhr. In der Hörkammer des Rathauses fallen deutlich hörbare Worte. Gerade haben sich die Kontrahenten im ewig jungen Streit um Lübecks Altstadt wieder einmal ihre unterschiedlichen Auffassungen über das Leben, den Handel und den Verkehr im Weltkulturerbe um die Ohren geschlagen. Emotionen pur.

Eindeutige Zielsetzung

Die Wirtschaftsverbände, angetreten mit einer Streitmacht von acht macht-erprobten Herren, machen Druck auf das Quartett der Altstadtinitiativen. Deren Sprecherin Astrid Helzel erläutert anhand von Karten die Vorschläge, auf die sich die Initiativen in den Tagen um die Jahreswende verständigt haben. "Unsere Zielsetzung, von der wir nicht abweichen," sagt sie, "ist der Erhalt der Bausubstanz in der historischen Altstadt. Wir wollen so wenig Verkehr wie möglich und müssen erreichen, daß der Co2-Ausstoß reduziert wird, wie es die Agenda 21 von uns fordert." Dafür sei man bereit, der Wirtschaft in allen möglichen Punkten entgegenzukommen, wenn diese Ziele mitgetragen würden.

Treffen in entspannter Lage

Das Signal der Verständigung bleibt zunächst ungehört. Michael Hübner vom Lübeck Management wiederholt noch einmal die Forderungen des Handels: "Wir wollen ein deutliches Signal: Lübeck ist wieder erreichbar und zwar so schnell wie möglich." Und IHK-Präses Hans Georg Rieckmann assistiert: ,,Es muß schon in den nächsten Wochen etwas passieren, sonst nützt das alles nichts." Grollen auf beiden Seiten, scharfe Töne und Drohungen, dieses erste gemeinsame Gespräch zu verlassen, zu dem Bürgermeister Michael Bouteiller eingeladen hatte.

"Ich schlage vor", sagt der daraufhin, "daß Sie jetzt mal allein miteinander reden." Und zieht sich mit seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in den Audienzsaal zurück. Geschäftiges Treiben in der Hörkammer. Später steigt gleichsam weißer Rauch aus dem Schornstein. Man wolle sich jetzt ohne Stadt noch einmal in entspannter Lage zusammensetzen, teilen beide Seiten plötzlich mit.

Das Ergebnis dieses Treffens am da-rauffolgenden Mittwoch ist verblüffend: Was seit Anfang der achtziger Jahre, als erstmals über "Autofrei"-Konzepte diskutiert wurde, nie möglich war, funktioniert auf einmal. Wirtschaft und Altstadtinitiativen finden ein gemeinsames Konzept, wollen künftig eng zusammenarbeiten. Hans-Jürgen Bockholdt von der Kaufmannschaft wird dies später so umschreiben: "Concordia Domis Foris Pax funktioniert wieder." Der lateinische Sinnspruch des Holstentores als neuer Slogan der Verkehrsberuhigung? "Eintracht nach innen, Frieden nach draußen." Warum nicht?

Der Entwurf im Detail

Einige Details des Konzeptes, über das die Bürgerschaft am Donnerstag berät (siehe Grafik):

Grundsatz: Der Durchgangsverkehr durch die Altstadt wird so weit, wie zur Zeit möglich, unterbunden.

Künftig soll es vier Kategorien von Straßen in der Altstadt geben:

1. Ganztägig uneingeschränkt befahrbare Straßen (rot)

2. Fußgängerzonen mit zeitlich eingeschränktem Lieferverkehr (grün)

3. Verkehrsberuhigte Straßen mit

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