Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Juli 2018

Ausgabe vom 20. Juni 2000

"Man sieht nur, was man weiß"

Naturerlebnisraum Stecknitztal eingeweiht - Befremdende Proteste der Anwohner

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Viele Kinder kamen zur Einweihung und nahmen den Naturerlebnisraum sekundenschnell in Besitz; Foto: N. Dorel

Kaum hatten Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann und Umweltminister Klaus Müller das rote Band durchschnitten und damit den neuen Naturerlebnisraum Stecknitztal offiziell eingeweiht, waren die Kinder nicht mehr zu bremsen und stürmten das Gelände. Rund fünf Hektar Wald und Wiese zwischen Moislinger Mühlenweg und Elbe-Lübeck-Kanal sind seit vergangenem Mittwoch mit behördlicher Genehmigung zum Spielen im Matsch, Klettern und Natur erkunden freigegeben.

"Ziel der förmlichen Erklärung zum Naturerlebnisraum ist es, dem Versiegelungsdruck - etwa der Bebauung oder Asphaltierung - entgegenzuwirken und das Gebiet als Grünfläche zu erhalten", so Hoffmann. Müller betonte, daß ein Natur-erlebnisraum dazu diene, daß Kinder die Natur nicht nur anhand von Bildern und Beschreibungen in Büchern kennenlernen, sondern ihre Vielfalt erleben sollen. "Man sieht nur, was man weiß" zitierte er einen Buchtitel als Leitsatz zur Erforschung der Umwelt. Mit Befremden reagierten sowohl die Senatorin als auch der Minister auf die Proteste der Anwohner, die Lärmbelästigungen durch Kindergeschrei befürchten.

"Wenn Kinder nicht mehr spielen können ohne daß sich immer gleich jemand belästigt fühlt, dann hat unsere Gesellschaft ein gewaltiges Problem", konterte der Minister. Er gehe jedoch davon aus, daß sich die Befürchtungen bereits in kurzer Zeit in Luft auflösen werden.

Unbeeindruckt von dieser Diskussion im Hintergrund waren die Kinder. Sie nutzten den Nachmittag, um an den sechs Spielstationen unter Anleitung von PädagogInnen die Natur kennenzulernen. Mit Feuereifer wurden kleine Tiere für den Phantasiezoo gesammelt, unter der Lupe bestaunt und - wenn keiner das Tier kannte - mit selbstkreierten Namen wie dem "Wiesenhummeltiger" versehen. Neben dem Brennessel-Irrgarten und der Verstecklandschaft wurden der Kletterbaum und die Matschlandschaft schnell zur Lieblingsspielecke erkoren. Zwischendurch gab es Holunderblütensirup zur Erfrischung.

Die bange Frage vieler Kinder, ob dies der einzige Tag sei, an dem Spiele stattfinden würden, konnte Karin Lammert, Kreisbeauftragte für Naturerleben vom Schulamt Lübeck, beruhigend beantworten. "Spielen ist hier jeden Tag erlaubt - auch wenn kein Erwachsener da ist!"

Und: Viele weitere Veranstaltungen unter pädagogischer Anleitung sind bereits geplant , zum Beispiel am Mittwoch, 5. Juli. Auf einer Wanderung durch den Naturerlebnisraum lernen die Teilnehmer heimische Kräuter durch Geschichten, durch Riechen, Sehen und Fühlen kennenlernen.

Trotzdem: "Es gibt noch viel zu tun!", so Karin Lammert. Viele Wünsche der Kinder sind noch offen, etwa ein Balancierbaum oder eine Schutzhütte. Gemeinsam wolle man jetzt mit den Kindern planen und bauen, also den Erlebnisraum gestalten. Rund 10 000 Mark stellt die Stadt dafür in diesem Jahr noch zur Verfügung.

Der Naturerlebnisraum Stecknitztal ist der vierte im Lübecker Stadtgebiet. Im Herbst soll ein weiterer, der Söhlengraben, eingeweiht werden. Informationen zu den Naturerlebnisräumen sowie Veranstaltungen gibt es unter der Rufnummer 122 39 18.

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