Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 22. Mai 2019

Ausgabe vom 01. August 2000

Landratten für den Sport begeistert

Die Zuschauer waren bei der 111. Travemünder Woche ganz dicht am Geschehen

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Heftige Positionskämpfe bei den 3-Mann-Kielbooten in der Trias-Klasse ; Foto: M. Erz

Aus sportlicher Sicht hat die Travemünder Woche in diesem Jahr einen Sprung nach vorn getan: Noch nie kamen so viele Segler und Seglerinnen in so vielen Booten und verschiedenen Bootklassen in Lübecks Ostsseeheilbad, um dort um Meisterschaften und Ranglistenpunkte zu kämpfen (Seite 1).

Und: Noch nie hatten die Zuschauer so viel von dem sportlichen Geschehen. Die neue Olympiaklasse 49er ("Fourty Niner") segelte auf Bahn "Surf" dicht unter Land in Nähe zwischen Casino und Möwenstein und eroberte sich damit ein regel- rechtes Landpublikum, das allen anderen Klassen auf den Dreieckskursen draußen auf See abgeht.

Die Teams der erstmals anwesenden Pro-Skiff-Tour mit ihren spektakulären 14- und 18-Fuß-Dinghies, den Verwandten der 49er, zeigten zudem an den ersten Tagen, wie man mit Musik, Aktion und Rennkommentaren über Lautsprecher auch die segelfernsten Landratten für ihre Sportart begeistern kann. "Wir kommen wieder" war trotz des mäßigen Windes an den drei Skiff-Tagen Anfang der Woche von den Aktiven zu hören - ein weiteres Plus für Travemünde.

Überhaupt das Wetter. Travemünde bot wieder einmal alles: Von kräftigen Winden über Regenbrisen bis hin zu zwei gehaßten Flautentagen, an denen nicht gestartet werden konnte. Aber: In allen Klassen gab es genügend Wettfahrten, um reguläre Bedingungen zu schaffen. Und:Regen macht den Seglern weniger zu schaffen, als sengende Sonne, die von den Urlaubern an Land so geliebt wird.

Ein großes Gewicht lag in diesem Jahr erneut auf dem Landprogramm: Die Bühne am Strand zog in den Abendstunden Tausende an. Die Schausteller an den zahlreichen Buden am Traveufer rund der Strandpromenade kamen mit Leichtigkeit auf ihre Kosten.

"Wurstbude reicht nicht"

Als weniger gelungen wurde allenfalls das Angebot für Kinder empfunden - es gab so gut wie keines. Hier hat die Travemünder Woche gegenüber dem Vorjahr einen unverständlichen Rückschritt getan. "Wir wollen ein Segelfest für die ganze Familie sein. Da reicht es nicht, eine Wurstbude aufzustellen", so Organisator Claus-Dieter Stolze. "Da muß wesentlich mehr geschehen!"

1999 hatte die Lübeck und travemünde Tourismus-Zentrale (LTZ), die zusammen mit dem Lübecker Yacht-Club und dem Bereich Schule und Sport der Hansestadt Lübeck die Travemünder Woche organisiert, noch eine Kinderwerkstatt im Brügmanngarten organisiert. Diesmal war dort das Wikinger-Felag des Lübecker Seeabenteurers Burghard Pieske zu finden, das jedoch keinen Zuschuß erhielt und sich so versuchte, sich über Eintritt zu finanzieren. Ein massenhafter Ansturm von Kindern, denen dort hinter dem Palisadenzaun sehr viel Vergnügliches und Lehrreiches geboten wurde, blieb deshalb leider aus. Hier muß für die 112. Auflage der Travemünder Woche im kommenden Jahr dringend eine Lösung gefunden werden, die das Wikingerdorf mehr in die Travemünder Woche integriert. "Wir kommen wieder, wenn das gewünscht ist und wenn wir mehr unterstützt werden", hat Pieske schon einmal Interesse signalisiert. Wenn das kein Wort ist...

Ganz vorbei ist die Travemünde Woche indes nicht: Bei Redaktionsschluß segelten die Tempest-Boote noch ihre letzten Wettfahrten aus. Und: Seit Montag tummeln sich 220 Opti-Jollen auf dem Möwenstein, wo sie ihre Internationalen Deutschen Jüngstenmeisterschaften austragen. 220 Kids im Alter von
10 bis 15 Jahren - dazu eine Hundertschaft von Eltern mit dutzenden von Schlauchbooten (siehe Stichwort).

Dieser Nachwuchswettbewerb dauert bis Sonnabend und hält die Crew der Travemünder Woche-Organisation heftig auf Trab.

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