Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 26. April 2019

Ausgabe vom 22. August 2000

"Es fällt schwer, Leute zu vertreiben"

Im Bereich Naturschutz gibt es zwei Zivildienstleistende - Der Job hat nicht nur angenehme Seiten

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Meist sind die beiden Zivildienstleistenden im Bereich Naturschutz, Phillip Wang (li.) und Dirk Ulrich, in Sachen Naturschutz unterwegs - aber Büroarbeit gehört auch zu ihren Aufgaben; Foto: M. Rulfs

"Ich glaube, man kann sagen, wir haben eine der schönsten Stellen erwischt", sagt Dirk Ulrich, einer der beiden Zivildienstleistenden im Bereich Naturschutz. Dem 21jährigen Pfälzer gefällt vor allem die Abwechslung und das eigenverantwortliche Arbeiten. "Nach meiner dreijährigen Landwirtschaftslehre und einem Jahr Schule, um das Fachabitur zu machen, bin ich selbständiges Arbeiten gewohnt - ich könnte es nicht ertragen, Befehle auszuführen wie bei der Bundeswehr oder ständig kontrolliert zu werden. Ich kann hier meine eigene Energie einbringen und das wird auch respektiert."

Das bestätigt Steffen Krempien vom Bereich Naturschutz, der die Zivildienstleistenden in ihrer Arbeit anleitet. "Wir bewerten ihre Arbeit sehr hoch. Man kann sagen, ohne sie wären wir manchmal ziemlich aufgeschmissen."

Seit zwei Wochen teilt sich Ulrich sich das Büro der Zivis im dritten Stock in der Moislinger Allee mit dem Lübecker Phillip Wang, 19 Jahre alt, der gerade sein Abitur an der Thomas- Mann-Schule gemacht hat. Er fand die Stelle auf einer Liste des CVJM und bewarb sich gleich. "In der Schule habe ich gern Biologie gemacht und das Arbeiten im Freien macht mir besonders viel Spaß", begründet er sein Interesse an dieser Arbeit.

Die beiden haben Glück - es gab dieses Jahr 30 Bewerbungen für die begehrte Zivildienst-Stelle. Andere Stellen in der städtischen Verwaltung sind nicht so beliebt, zum Beispiel die im Alten- und Pflegebereich. Nur sechs von 27 Zivildienststellen sind zur Zeit überhaupt besetzt - außer den zwei Stellen beim Naturschutz zwei beim Berufsvorbereitungs- und Ausbildungszentrum Lübeck Innenstadt (BALI), eine bei der Maria-Montessori-Schule und eine im Kinderheim Wakenitzhof.

Eine der wichtigsten Aufgaben für Ulrich und Wang ist die Betreuung des Naturschutzgebietes Dummersdorfer Ufer. Sie kontrollieren und reparieren Schilder, Zäune und Absperrungen und besprechen mit einem Handwerker aus Dummersdorf, der für den Bereich die aufwendigeren handwerklichen Arbeiten ausführt, was zu tun ist. Sie sammeln regelmäßig Müll, ziehen Kaninchen- und Weidezäune, beschneiden Hecken und mähen Disteln.

Auf einem Kontrollgang durch das Gebiet wird deutlich, daß der Job auch unangenehme Seiten hat. Direkt auf dem Parkplatz lädt eine Familie mit drei Kindern ein Schlauchboot, Körbe und Decken aus dem Auto. Es ist bedeckt, aber warm, ein idealer Tag für eine Bootspartie mit Picknick am Strand. Nur leider nicht am Dummersdorfer Ufer. Hier ist all das verboten, was Spaß macht: am Strand zu liegen, sich auszubreiten, zu spielen, zu baden und vom Ufer aus mit dem Boot zu fahren. Wang geht zu ihnen und erklärt ihnen das Verbot. Er ist erleichtert, weil sie ohne Diskussion wieder einpacken und Richtung Travemünde fahren.

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