Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 22. August 2000

Die neue Ära der Stadtwerke beginnt

Umgründung zu Holding mit Eigenbetrieben steht unmittelbar bevor - Neue Struktur schafft Flexibilität

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Die Hansestadt Lübeck als alleinige Gesellschafterin des neuen Konzerns behält ihren Einfluß, auch wenn die einzelnen Unternehmensbereiche mehr Eigenständigkeit bekommen haben

"Die Umgründung der Stadtwerke ist kein Selbstzweck", unterstreicht der Erste Direktor Kurt Kuhn, künftig Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Lübeck Holding. Vielmehr könne man mit dem neuen "Konzern mit drei Eigenbetrieben" schneller auf die Veränderungen am Markt reagieren - und mit anderen Mitteln. Das sei nach der Liberalisierung des Strommarktes und der begonnenen Liberalisierung des Gasmarktes in diesem Monat unerläßlich. Bis Ende August soll diese Umgründung formal vollzogen sein - durch den Eintrag ins Handelsregister.

Der "KonzernStadtwerke" besteht künftig aus einer Holding, der "Stadtwerke Lübeck GmbH". Hier werden die Unternehmensstrategien festgelegt und die wirtschaftlichen Ziele definiert. Das "Tagesgeschäft" übernehmen die "Energie und Wasser Lübeck GmbH" und die "Stadtverkehr Lübeck GmbH". Schließlich gehört noch als Tochter die "TraveKom" für den Bereich Telekommunikation zur neuen Konzernstruktur. Während die Geschäftsführung erhalten bleibt, - Günter Friege und Wolfdieter Reichelt sind weiter für den Bereich Versorgung zuständig, Joachim Sprenger für den Bereich Verkehr - wird es für die MitarbeiterInnen sowie in den Geschäftsfeldern zu Veränderungen kommen.

Zwar wurde bei der Umgründung des Eigenbetriebs darauf geachtet, daß es deswegen keine Kündigungen geben wird und auch der Verdienst der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unverändert bleibt, aber wie jeder Privatisierungsprozeß zeigt, wird es mittelfristig nicht ohne einen gewissen Personalabbau gehen. Dieser, verspricht Kuhn, solle sozialverträglich geschehen, etwa über Vorruhestandsregelungen.

Im Verbund agieren

Um die Kosten zu reduzieren, müsse man künftig "neue Vertriebs- und Beschaffungswege" gehen, sagt Kuhn. Dabei werde man sicher auch "strategische Allianzen" eingehen - bis hin zur Beteiligung an anderen Unternehmen. Denn im Verbund mit anderen könne man zum Beispiel wesentlich günstiger
Energie einkaufen. Die Liberalisierung der Märkte bedeute eben nicht nur (mehr) Wettbewerbsdruck für die Unternehmen, sondern ermögliche diesen andererseits, sich den gün- stigsten Anbieter zu suchen - im Zweifel sogar europaweit.

Schließlich müsse man über die Ausweitung der Geschäftsfelder nachdenken. Neue Kunden könne man mittelfristig nur gewinnen durch "Paket"-Angebote, die neben der Versorgung vor allem durch einen umfassenden Service gekennzeichnet seien. Man liefere also nicht nur Energie, sondern biete gleich auch die Überwachung und Steuerung von Energiezentralen an. Und was für den Geschäftskundenbereich gilt, soll laut Kuhn auch für die Privatkunden deutlicher werden. "Unser Dienstleistungs- und Servicepaket soll erweitert und verbessert werden." So wolle man beispielsweise die Bearbeitung der (telefonischen) Anfragen deutlich verbessern - mit dem Ziel, daß 80 Prozent dieser Anfragen umgehend erledigt werden.

In einem zweiten Schritt wird das Internet als Serviceangebot ausgebaut. Die Kunden sollen sich etwa Formulare für das Ablesen von Zählerständen herunterladen können. Dieses Angebot wird voraussichtlich im September oder Oktober zur Verfügung stehen. Ziel dieser Maßnahmen ist die Kundenbindung. Zwar hätten nur wenige Kunden seit der Strommarktliberalisierung den Stadtwerken den Rücken gekehrt, aber dies sei kein Grund, sich zurückzulehnen. Im Gegenteil: "Wir wollen unseren lokalen Charakter betonen und verstärken", so Kuhn. Dazu brauche man motivierte und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese bekomme man durch Übertragung von Verantwortung - auch das sei ein wichtiges Ziel des neuen Unternehmens.

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