Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 24. Juni 2019

Ausgabe vom 03. Februar 1998

Gesundheitsräume in Lübeck in Frage und Antwort

Bündnis 90 / Die Grünen

Von Karl-Heinz Haase

Können Gesundheitsräume die fatalen Folgen des Drogenkonsums mildern? Uneingeschränkt ja! In solchen Räumen, die mißverständlich "Fixerstuben" genannt wurden, ist eine hygienisch einwandfreie Verwendung von Spritzen garantiert. Außerdem erhalten die Besucher fortwährend Informationen über ihre gesundheitliche Situation und das Lübecker Therapieangebot. Die schweren Erkrankungen nach unsachgemäßem Spritzengebrauch werden vermieden, darunter auch AIDS.

Begünstigen Gesundheits-räume den Konsum illegaler Drogen? Uneingeschränkt nein! Das Angebot richtet sich ausschließlich an Suchtkranke. Das sind Menschen, die ihre Sucht bisher unter Mißachtung aller Risiken befriedigt haben (das ist bei allen Süchten so) und das auch weiterhin tun würden.

Können Gesundheitsräume die Verbreitung von Drogen in der Gesellschaft verringern? Ja, das können sie. Drogenabhängige geraten schnell in den Kreislauf Verelendung-Krankheit-Beschaffungskriminalität. Der physische Verfall erschwert die Umkehr aus der Sucht. Weiterverkauf von Drogen und Prostitution sind dann die letzten Erwerbsquellen. Die gesundheitliche Stabilisierung der Abhängigen ist der erste Schritt, sie diesen finsteren Kreisläufen zu entreißen. Nur so kann man aus-ufernd offene Drogenszenen in Grenzen halten.

Gibt es einen Parteienstreit über Gesundheitsräume? Nein, nicht wirklich. Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) war eine der ersten, die in ihrer Stadt solche Räume einrichtete. Sie spricht sich auch für die kontrollierte Abgabe von Heroin aus, um Beschaffungskriminalität und Kleindealerei abzubauen. Das sollte konservative Kritiker der sogenannten "weichen" Drogenpolitik sehr nachdenklich machen. Die Grünen hoffen im Interesse suchtkranker Menschen, daß dieses sensible Thema nicht zu Wahlkampfmunition verbraten wird. Die Angst vieler Eltern vor den Drogen ist sehr verständlich. Sie sollte nicht politisch ausgebeutet werden.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

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