Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 12. September 2000

Ein starker Zusammenschluß

Fortsetzung von Seite 1 - 208 Städte aus 17Nationen bilden die neue Hanse

Der Hansetag findet jährlich in wechselnden Hansestädten statt. Lübeck, traditionelles Haupt der Hanse, war bereits 1983 Ausrichter eines Hansetages, was allerdings damals in der Hansestadt eher unbeachtete geblieben ist. Dies dürfte im Jahr 2014 anders sein.

Daß Lübeck frühestens im Jahr 2014 den Hansetag ausrichten kann, liegt daran, daß bis dahin - und darüber hinaus fast bis 2029 - die Treffen bereits festgelegt sind. Denn um Ausrichter des Hansetages werden zu können, ist eine Bewerbung bei der Hansekommission nötig und ein zustimmender Beschluß der Delegiertenversammlung, die jeweils auf dem Hansetag abgehalten wird, nötig. Im kommenden Jahr etwa wird der Hansetag im lettischen Riga (7. bis 10. Juni) und 2002 im belgischen Brügge (27. bis 30. Juni) stattfinden. Lübeck muß sich also sputen und sich im nächsten Jahr in Riga offiziell bewerben, damit der Termin nicht von einer anderen Hansestadt "besetzt" wird. Ein Gutes mag die lange Wartezeit haben: Dann kann sich die Königin angemessen auf die Großveranstaltung vorbereiten.

Saxe bewirbt sich um Vorsitz

Lübeck tut noch aus einem anderen Grund gut daran, sich um die Ausrichtung eines Hansetages zu bewerben: Der alten Tradition folgend, hatte man bei der Wiedergründung der Hanse den Vorsitz automatisch dem Lübecker Bürgermeister übertragen. Dies ist mit Verabschiedung der Satzung in diesem Jahr künftig nicht mehr so. Wenn also im nächsten Jahr in Riga zum ersten Mal der Vormann aus den Reihen der Delegierten gewählt wird, könnte dadurch Lübecks Einfluß in der Hanse geringer werden. Immerhin hat Bürgermeister Bernd Saxe aber schon auf dem Hansetag in Zwolle gegenüber der Stadtzeitung erklärt, daß er sich um dieses Amt bewerben werde.

Die Neuauflage des Hansebundes 1980 wurde anfangs als "Folkloretreffen" belächelt, mittlerweile sind diese kritischen Stimmen jedoch immer leiser geworden. Denn die alljährliche Zusammenkunft auf dem Hansetag fördert nicht nur das mitmenschliche Miteinander über Ländergrenzen hinweg, sondern wird zunehmend auch wirtschaftlich bedeutsam. So werden regelmäßig während des Hansetages Firmen besichtigt, außerdem werden Unternehmertreffen angeboten.

Um die Bedeutung der jährlichen Treffen weiter zu steigern, haben die inzwischen schon wieder 208 Städte aus 17 Nationen sich in diesem Jahr im niederländischen Zwolle eine Satzung gegeben, die das Miteinander verbindlicher gestaltet. Außerdem wird der größte internationale Städtebund dadurch auch als Ansprechpartner für andere Organisationen und Unternehmen greifbar.

Neben dem alljährlichen Treffen arbeiten die in der Hanse organisierten Städte in sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Projekten zusammen, die jeweils (nur) von den Städten finanziert werden, die an diesen Projekten teilnehmen wollen. Der Wiederaufbau der Nikolai-Kirche in Novgorod etwa wurde in diesem Jahr offiziell beendet. Über eine Million Dollar hat das Projekt gekostet, davon haben die Hansestädte fast die Hälfte beigesteuert.

Die niederländische Stadt Zwolle lud im Jahre 1980 anläßlich ihrer 750-Jahr-Feier zu einem Hansetag ein. Sie wollte damit an die alte Tradition der Hanse anknüpfen, der Zwolle angehört hatte. Bei der Vorbereitung des Jubiläums war im Stadtarchiv von Zwolle ein Brief aus dem Jahre 1294 entdeckt worden. Darin hatte Zwolle als erste Stadt des Hansebundes die Stadt Lübeck als "Haupt der Hanse" anerkannt.

Zum Hansetag in Zwolle kamen Vertreter aus 43 ehemaligen Hansestädten. Die Idee, die Hansetage wieder aufleben zu lassen, war geboren. Vertreter von elf Städten fanden sich in Zwolle zur Bildung einer Hansekommission nach altem Vorbild zusammen. Die Vertreter der Hansestädte waren sich darin einig, daß für die Tagungen neue Inhalte gefunden werden müßten. Die Hansetage sollten nicht nur der Bereicherung von Stadtjubiläen und ähnlichen Ereignissen dienen. Man kam über- ein, unter dem Generalthema "Die Stadt als Lebensform" die Gegenwartsprobleme der Städte zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen.

Da es sich bei den Mitgliedern des ehemaligen Hansebundes überwiegend um Städte mit alten, historischen Stadtkernen handelt, standen zu- nächst Themen wie Denkmalschutz, Restaurierung und Sanierung im Vordergrund der Beratungen in den Arbeitsgruppen. In jüngerer Zeit kamen Fragen des Umweltschutzes, speziell der Reinhaltung der Ostsee, der Bedeutung des europäischen Binnenmarktes für die Städte und die Förderung von Wirtschaftsbeziehungen hinzu.

Die schwedische Stadt Kalmar stiftete zu ihrem Hansetag im Jahre 1987 einen Hanse-Umweltpreis, der jährlich auf den Hansetagen verliehen wird.

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de