Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 22. August 2019

Ausgabe vom 10. Februar 1998

Süße Politrache kommt Bürger teuer zu stehen

Zu: ,,Die Sträuße waren schon gekauft''. SZ vom 3. Februar

Man mag es kaum glauben und reibt sich die Augen. Eine geradezu diebische Freude scheint sich unter den ach sonst so zerstrittenen Oppositionsfraktionen in Lübecks Rathaus auszubreiten.

Trotz des sonst ständig vorgetragenen Gejammers über die katastrophale Haushaltssituation der Hansestadt und entsprechenden Streichungs- und Kürzungsanträgen der kommunalen Leistungsangebote für die Bürger leistet man sich einen wieder einmal dem Bürger teuer zu stehen kommenden Personalwechsel im Umwelt- und Entsorgungsamt.

Was, so muß sich da der Bürger fragen, hat denn bloß diese merkwürdige Koalition umgetrieben, eine inzwischen in ihren Sachgebieten und mit den sicher nicht jedem Außenstehenden auf Anhieb verständlichen Lübecker Eigenheiten vertrauten Senatorin Krautzberger abzuwählen beziehungsweise in Rente zu schicken und die Stelle für gleich hohe Bezüge mit einer Person neu zu besetzen, die bis vor wenigen Wochen noch keine Beziehung zu Lübeck oder Schleswig-Holstein hatte. So war es jedenfalls aus dem Rathaus zu vernehmen.

Was, so muß sich der Bürger weiter fragen, war eigentlich der bisherigen Amtsinhaberin vorzuwerfen? Und was soll die "Neue" anderes tun als ihre Vorgängerin? Hat sie doch dafür zu sorgen, daß die ihr vom Gesetzgeber in Bund, Land und Kommune vorgegebenen Aufgaben erfüllt werden. Hinweise, was der Wechsel bewirken soll, gab es jedenfalls nicht. Es kann sich deshalb wohl bei diesem merkwürdigen Vorgang nur um einen kleinbürgerlichen Racheakt zur Begleichung vermeintlich offener Politrechnungen gehandelt haben, zu dem man sich plötzlich in der Lage sah.

Egal, was es uns kostet. Der Bürger darf ja zahlen. Die Teilrente der "Ehemaligen" und die Bezüge der "Neuen", die sich allerdings zunächst erst einmal wieder einarbeiten muß, was in Lübeck bekanntermaßen nicht immer ganz einfach ist. Hoffen wir jetzt nur, daß die gleichen Politiker uns morgen nicht wieder mit Einsparungen für Jugend- und Altenprojekte oder in anderen wichtigen Bereichen kommen, um die nicht vorgesehenen Personalausgaben damit wieder einzufordern. Vor längerer Zeit konnte man allerdings auch von einem leitenden Verwaltungsbeamten den Satz vernehmen: "Dezernenten - nun, die kommen und gehen. Aber wir überleben sie alle." Na denn!

Peter Biedermann, Lübeck

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