Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 10. Februar 1998

Lübecker war einst Bürgermeister in Kotka

Lübecks Partnerstädte - Eine Serie in lockerer Folge - Teil 1: Kotka in Finnland

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Die Ausläufer der Stadt verteilen sich auf mehrere Insel; Foto: Presseamt Kotka

"Stadt des Meeres" wird Kotka genannt oder "Seestadt": Sie wurde an der Stelle gegründet, wo der Kymijoki-Fluß dem finnischen Meerbusen begegnet. Allein 478 Quadratkilometer Meer tragen zur Gesamtfläche von 750 Quadratkilometern bei. Der Kymijoki - bedeutendster Lachsfluß in Südfinnland - ist als Grenze zwischen Schweden und Rußland, des westlichen und des östlichen Einflusses, in die Geschichte eingegangen.

So gibt es auch heute noch eine russisch-orthodoxe Gemeinde, ebenso wie eine schwedischsprachige Schule. Die Nähe zu St. Petersburg und die Wiederöffnung der russischen Grenze haben inzwischen viele ausländische Unternehmen nach Kotka gelockt. Der Hafen hat heute die größte wirtschaftliche Bedeutung für die 56 000-Einwohner-Stadt. Die Ausläufer der Stadt verteilen sich übrigens auf mehrere Inseln - die als Ausflugsziel beliebte Schärenlandschaft - Kotkas Zentrum liegt auf der Insel Kotkansaari.

Partner nicht nur zu Weihnachten

Alljährlich wird sie bewundert: die riesige, mit knallroten Schleifen und Kugeln geschmückte Weihnachtstanne vor dem Holstentor. Das überdimensionale Weihnachtsgeschenk aus Kotka ist das wohl sichtbarste Zeichen des deutsch-finnischen Austauschs in der Hansestadt. Es passiert aber noch viel mehr.

Kotka und Lübeck - die Freundschaft der beiden Ostseestädte hält schon seit den Handelsbeziehungen im Mittelalter. Die offizielle Partnerschaft zwischen Kotka und Lübeck besteht 29 Jahre und ist damit Lübecks älteste. "Und die intensivste", sagt Jutta Zachow von der Bürgermeisterkanzlei. "In den letzten Jahren", bedauert sie, "ist allerdings nicht mehr so viel gelaufen." Das Interesse sei groß, aber die finanziellen Mittel knapp: Nur 10 000 Mark hätten 1997 für die vier Partnerschaften zur Verfügung gestanden.

Menschen aus Kotka und Lübeck begegnen sich auf vielen verschiedenen Ebenen. Kultur wird großgeschrieben - wechselseitige Gastkonzerte etwa gehören dazu. Musikhochschule und Städtisches Orchester sind in der finnischen Hafenstadt häufig und gern gesehen. Bildende Künstler der beiden Städte stellen gemeinsam ihre Werke aus. Man findet sich auf Symposien im Rahmen des "Arbeitskreises der Geschichte des alten Finnland" zusammen. Ihm gehört auch der stellvertretende Leiter der Lübecker Stadtbibliothek und Finnland-Forscher, Robert Schweitzer, an. Er erinnert sich gut an das 25jährige Partnerschaftsjubiläum 1994, als Kotka und Lübeck gemeinsam eine große, zweisprachige Ausstellung in der Bibliothek organisierten. Und wenn er davon erzählt, ist die Begeisterung in seiner Stimme zu hören.

Kaum ein Lübecker Altstadtfest ohne den finnischen Gast, und auf den berühmten Seetagen von Kotka (in diesem Jahr 23. bis 26. Juli) dürfen wiederum die Lübecker nicht fehlen. Das Hauptereignis dieses großen Festes, das Seemannsliedfestival, brachte dem Lübecker Passat-Chor schon den ersten Preis ein.

Aber nicht nur Gesang, auch Sport verbindet - deshalb gibt es Fußball-Freundschaftsspiele oder die Travemünder Woche wird zum Segeltreffpunkt. Jugendliche erlernen über Schülerkontakte Deutsch, beziehungsweise Finnisch, und tauschen ihre Erfahrungen aus, während Senioren aus Kotka sich über die Organisationsformen älterer Menschen in Lübeck informieren. Aber auch zwischen Kotkas Krankenpflegeschule und der DRK-Schwesternschaft in Lübeck bestehen regelmäßige Kontakte.

Übrigens - von 1871 bis 1904 stand ein gewisser Max Südel der Stadtgemeinde Kotka als Bürgermeister vor. Und der kam, wie soll es anders sein, aus Lübeck...

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