Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 07. November 2000

Ein mutiger Film

Liv Ullmann präsentierte ihre neue Regiearbeit "Faithless"

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Liv Ullmann (re.) signiert Bücher; Foto: M. Rulfs

Die Ehrenvorsitzende der Nordischen Filmtage und Regisseurin Liv Ullmann stellte am Sonnabend im Radisson-Hotel ihren neuen Film "Faithless" (treulos) vor. Auf dem Podium saßen mit ihr die Leiterin des schwedischen Filminstituts, Åse Kleveland, sowie Andrea Kunse-
müller und Stephen Locke von den Nordischen Filmtagen.

Das Drehbuch von "Faithless" schrieb Ingmar Bergman. Es ist Ullmanns vierte Regiearbeit und ihre zweite Verfilmung eines Bergman-Drehbuchs. "Seit vierzig Jahren arbeiten wir zusammen", sagte die 61jährige. "Ich halte ihn für den größten Filmemacher, der lebt. Seine Schauspielerin zu sein, war wunderbar, und nach seinen Drehbüchern zu filmen, ist ebenso wunderbar."

Ullmann, ganz in Schwarz gekleidet, wirkte insgesamt sehr ernst und konzentriert. Aber sie erzählte begeistert von den Dreh-arbeiten.

Die Hauptrolle der "Marianne" mit der Schauspielerin Lena Endra zu besetzen, habe Bergman entschieden. Sonst habe er jedoch mit den Dreharbeiten nichts zu tun gehabt. "Es war reine Frauensache, Bergman hat den Film erst gesehen, als er fertig war. Er hält ihn für einen mutigen Film." Lena Endra habe die Rolle ungeheuer gut gespielt, einen Monolog über lange Strecken. "An Bergmans Text durften wir nichts ändern", sagt Ullmann und lächelt, "aber ich fragte ihn, ob wir gegen den Text etwas anderes ausdrücken dürften, und er war einverstanden."

Nach den langen Kamera-Einstellungen befragt, meint sie: "Ich mag es nicht, wenn es viele kurze Schnitte gibt, wenn eine Kamera mit vorschreibt, was ich anzuschauen habe." Sehr langsam entfaltet sich die Geschichte des Miteinanders von Liebe, Betrug, Ehrgeiz und Treue. "Es gibt Männer, die auch eine wirklich gute Ehe bedrohen können - das wollte ich zeigen." Die persönliche Geschichte Ullmanns und Bergmans - die nicht nur zusammenarbeiten, sondern auch zusammen lebten und eine gemeinsame Tochter haben - bot auch für diesen Film Stoff.

Nach dem Podiumsgespräch signierte sie in dichtem Gedränge ihre Bio-Filmographie "Face to Face", die der Norweger Per Haddal verfaßt hat. Hinter ihr hingen Ullmann-Fotos aus 40 Jahren - in vielen Rollen, immer voll Gefühl und Intensität.

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