Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 19. Juni 2019

Ausgabe vom 07. November 2000

"Ein Festival der Superlative"

15 000 BesucherInnen bei den Nordischen Filmtagen- Silberne Ehrengedenkmünze für Andrea Kunsemüller

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Herzliche Verabschiedung: Bürgermeister Bernd Saxe und Andrea Kunsemüller; Foto: T. Wewer

Große Gefühle erlebt man gewöhnlich im Kino auf der Leinwand - am Sonntag aber auch davor: Im Filmpalast Stadthalle wurden die Preise für die besten Filme vergeben. Doch nicht Tränen des Glücks über unerwartete Auszeichnungen beherrschten den Nachmittag, sondern der Abschied von Andrea Kunsemüller, die 14 Jahre lang künstlerische Leiterin der Nordischen Filmtage Lübeck (NFL) gewesen ist und sich mit den 42. Festspielen von ihren Freunden und Freundinnen aus Skandinavien und den baltischen Staaten sowie aus der Hansestadt Lübeck verabschiedet hat. Sie geht zurück nach Dänemark - "nach Hause", wie sie sagte. "Ihr habt mein Leben reich gemacht", verabschiedete sich Kunsemüller, sichtlich bewegt von den Sympathiebekundungen.

Mehrere Rednerinnen hatten in sehr persönlich gehaltenen Abschiedsworten Kunsemüller für die Arbeit, vor allem aber für die dadurch entstandene Freundschaft gedankt. Als Zeichen ihres erfolgreichen Wirkens hatte Bürgermeister Bernd Saxe ihr eingangs die silberne Ehrengedenkmünze der Hansestadt Lübeck überreicht. Der Ruf des Festivals, der hohe Standard und das internationale Ansehen seien mit ihrem Namen verbunden, lobte Saxe. "Andrea Kunsemüller hat den Nordischen Filmtagen ein Gesicht gegeben." Sie sei "Seele und Herz" der Filmtage gewesen und habe die Veranstaltung zu dem gemacht, was sie heute ist. Und das "mit tiefem Einfühlungsvermögen in die skandinavische Seele und mit cineastischem Sachverstand." Trotzdem müsse man Kunsemüllers Entscheidung akzeptieren.

Kunsemüller lenkte schließlich den Blick nach vorn: Mit Linde Fröhlich, der Leiterin des Kommunalen Kinos und designierten Nachfolgerin, seien die Nordischen Filmtage "in guten Händen". Fröhlich kenne die Partner in Skandinavien und werde daher "mehr noch als bisher ein Gewinn für die Nordischen Filmtage sein."

Die Auszeichnung der Hansestadt Lübeck sei eine Ehrung für alle, betonte Kunsemüller; für Linde Fröhlich und Hauke Lange-Fuchs von der künstlerischen Leitung ebenso wie für die vielen fleißigen Helferinnen und Helfer, die mit "Kraft, Ausdauer und Enthusiasmus" jedes Jahr zum Gelingen der Nordischen Filmtage beitrügen.

Daß die 42. Nordischen Filmtage ihren Ruf als größtes Schaufenster des nordischen Films gerecht wurden, belegte Saxe mit beeindruckenden Zahlen: Über 100 Filme wurden gezeigt und über 15 000 Besucherinnen und Besucher hätten das Angebot wahrgenommen - ein neuer Rekord. Außerdem hätten mehr als 160 akkreditierte JournalistInnen über das Filmfestival in Wort und Bild berichtet und über 470 Filmschaffende - Produzenten, Regisseure, SchauspielerInnen - seien nach Lübeck gekommen, darunter so bekannte Namen wie Liv Ullmann und Armin Mueller-Stahl, der am Sonntag als Überraschungsgast angekündigt wurde. Für Saxe waren die 42. Nordischen Filmtage daher ein "Festival der Superlative"; dabei sei man aber auch an die Kapazitätsgrenzen gelangt. Darauf werde man 2001 reagieren müssen, kündigte er an. Ungeachtet dieser logistischen Probleme hätten die 42. Nordischen Filmtage den Ruf gefestigt, daß Lübeck nicht nur die kulturelle Hauptstadt des Nordens sei, sondern auch die cineastische.

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