Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 17. Februar 1998

Tuche und orientalische Gewürze

Unter Lübecks Führung richteten die Kaufleute in Brügge ihr Kontor ein

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Händler um 1511; Foto: Burgkloster

Schon in spätantiker Zeit bestanden Handelsverbindungen zwischen den "Niederlanden", das heißt dem Rheinmündungsgebiet und dem Ostseeraum, der damit an den Rheinhandel "angebunden" wurde. Mit dem Aufblühen der exportorientierten Tuchproduktion in Flandern konzentrierten sich im 13. Jahrhundert die Handelsbeziehungen auf Brügge, das sich innerhalb kürzester Zeit zu dem bedeutendsten Handelsplatz nördlich der Alpen entwickelte. Es wurde zum Treffpunkt von Kaufleuten aus aller Herren Länder. Unter der Führung Lübecks richteten die Kaufleute der werdenden Hanse seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in Brügge ihr Kontor ein.

Die wichtigsten Güter,die die lübischen Kaufleute im Handel mit Brügge exportierten, waren die "klassischen" Ostseewaren. Beim Import dominierten flandrische Tuche und orientalische Gewürze, die seit 1277 von den Kaufleuten aus Genua und Venedig durch regelmäßige Galeerenfahrten auf den Brügger Markt gebracht wurden. Dieser Zweig der lübisch-hansischen Beziehungen zu den "Niederlanden" wird im Mittelpunkt eines Vortrags stehen . Am 24. Februar wird im Rahmen der Reihe "Handel, Geld, und Politik" im Kapitelsaal des Burgklosters um 20 Uhr Dr. Volker Henn aus Trier sprechen. Sein Thema: "Gewürze und Tuche gegen Kupfer und Teer: Waren und Geld im Handel Lübecker und hansischer Kaufleute mit den Niederlanden bis zum Ende des 16. Jahrhunderts". Seit dem 15. Jahrhundert büßte Brügge aus verschiedenen Gründen seine herausragende Position ein. An seine Stelle trat Antwerpen, das sich nach der Entdeckung der Seewege nach Indien durch portugiesische Seefahrer im späten 15. und 16.Jahrhundert zu einem der führenden europäischen Gewürzmärkte entwickelte.

Die "Verlegung" des hansischen Kontors (1563) trug der Entwicklung zwar Rechnung. Da Antwerpen aber schon in den 70er Jahren des 16. Jahrhunderts in die Wirren des niederländischen Befreiungskampfes hineingezogen und 1585 von spanischen Söldnern geplündert wurde, bot die Stadt den Kaufleuten keine Perspektive mehr. An ihre Stelle trat das holländische Amsterdam, das ungeachtet der energischen Versuche Lübecks, den holländischen Kaufleuten den Zugang zur Ostsee zu verwehren, der wichtigste Umschlagplatz hansicher Handelsgüter in den Niedelanden wurde.

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