Ausgabe 612 vom 06. Oktober 2009
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Die innerdeutsche Grenzstadt
Lübeck nahm über Jahrzehnte eine Sonderstellung im geteilten Deutschland ein
Viele können sich noch an den Tag des Mauerfalls am 9. November 1989 erinnern. An die Ungläubigkeit, die wohl jeden ergriff, als Egon Krenz, damaliger SED-Generalsekretär, verkündete, dass die Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland jetzt offen sei. Nach über vier Jahrzehnten fielen die Grenze und die Mauer in Berlin buchstäblich in sich zusammen und mit ihr ein ganzer Staat, der seit 1949 als Deutsche Demokratische Republik existierte. -
Autorenlesung: "Wie es leuchtet"
Zur Autorenlesung lädt die Stadtbibliothek Lübeck, Hundestraße 5-17, am Mittwoch, 7. Oktober, um 19 Uhr ein. Thomas Brussig liest im Scharbausaal aus seinem Roman "Wie es leuchtet". Ein Roman, der wie kein anderer die Tragik und Komik der Wende beschreibt und das Lebensgefühl dieses Jahres auf den Punkt bringt. -
Fragen an die Bürgerschaft
Die nächste Sitzung der Lübecker Bürgerschaft findet am Donnerstag, 29. Oktober, statt. Wie immer steht zu Beginn der Sitzung eine Einwohnerfragestunde auf der Tagesordnung. -
Signalisierung geändert
Mit einer Verbesserung der Signalschaltung an der Ampelanlage in der Fackenburger Allee/Werner-Kock-Straße sollen jetzt die Wartezeiten für Busse verringert werden, ohne dass der übrige Verkehr dadurch Nachteile erleidet. -
Neuer Kunstrasenplatz im Koggenweg
Rund 682.500 Euro für witterungsunabhängigen Boden
Das Wetter der letzten Tage war wahrlich kein Fußballwetter. Aufgeweichte Rasenflächen, schlammiger Boden - eine Matschpartie machte keinen Spaß. -
Eine aufgeräumte Königstraße
Neue Beschilderung soll mehr Attraktivität bringen
Da guckten viele Autofahrer und Lieferanten etwas verdutzt: Die Königstraße wurde vorige Woche an den so genannten "straßenbegleitenden Seitenstreifen" neu beschildert. Zwischen der Wahmstraße und dem Koberg dürfen Autofahrer nur noch von 18 bis 5 Uhr parken; Lieferanten können die Seitenstreifen nur noch von 5 bis 10.30 Uhr zum Ausliefern nutzen. Zwischen 10.30 und 18 Uhr herrscht hier ein absolutes Halteverbot. -
Abenteuer Informatik
Ausstellungswoche endete mit Netbook-Verlosung
Mit der Auslosung des Gewinnspiels endete am vergangenen Freitag die Ausstellungswoche "Abenteuer Informatik" in Lübecks Königspassage. Glücksfee Anna-Sophie (8) zog aus dem Glasbehälter die Antwortkarte von Justina Bülow. Die 17 Jahre alte Lübeckerin gewann mit ihren drei richtigen Antworten auf knifflige Informatikfragen der Wissenschaftsschau ein neues UMTS-Netbook im Wert von 700 Euro. -
Die Köhlersche Ahnengalerie
Das Lübecker St. Annen-Museum zeigt noch bis zum 18. Oktober "Die Köhlersche Ahnengalerie - Eine Porträtfolge des 17. Jahrhunderts". Die großformatigen Porträts präsentieren die Vorfahren und Zeitgenossen des Bürgermeisters Anton Köhler d. J. (1585-1658) und seiner Familie. Das Besondere an dieser Ausstellung: Die fast lebensgroßen Porträts werden derzeit sorgfältig restauriert, damit sie später in die Dauerausstellung integriert werden können. Der Besucher hat die seltene Gelegenheit, dem Restaurator Jarek Kulicki über die Schulter zu schauen und die verschiedenen restauratorischen Maßnahmen "live" mitzuerleben oder anhand von Dokumentationsfotos nachzuvollziehen. Das "Show-Restaurieren" im St. Annen-Museum findet immer dienstags von 11 bis 13 Uhr statt. -
Teilsperrung der Nordtangente
Wegen einer Untersuchung der Fahrbahnoberflächen kann es am kommenden Donnerstag, 8. Oktober, auf der die Eric-Warburg-Brücke im Zuge der Nordtangente ab 16 Uhr für voraussichtlich zwei bis drei Stunden zu Verkehrsbehinderungen kommen. -
Rathaus: Senioren im Dialog
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Rathaus im Dialog" lädt Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer in Kooperation mit dem Seniorenbeirat Seniorinnen und Senioren am Sonnabend, 10. Oktober, von 11 bis 17 Uhr zur Informationsveranstaltung in das Rathaus ein. Unter dem Motto "Aktiv im Alter" informieren gemeinnützige und ehrenamtliche Institutionen und Einrichtungen in der Großen Börse, im Vorraum und Eingangsbereich über ihre Angebote. Außerdem sind Fachvorträge mit anschließenden Podiums-Diskussionen sowie Gesprächsrunden mit Politikern vorgesehen. Für das leibliche Wohl ist gesorgt: Die Kleine Börse verwandelt sich zur Suppenküche, der Audienzsaal in ein Café - gegen einen kleinen Obulus können Speisen und Getränke erworben werden. Offiziell eröffnen die Stadtpräsidentin und der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Karl-Theodor Junge, die Veranstaltung um 11 Uhr im Audienzsaal. Der Eintritt ist frei. -
Schmackhafte Hüte lassen auf sich warten
"Es ist fraglich, ob die Saison überhaupt noch startet"
Der Oktober ist da und damit auch die Pilzsaison - könnte man meinen. "Im Moment ist noch nichts los und ob die Saison überhaupt noch startet, ist fraglich", erklärt Lübecks Pilzexperte Erhard Sacher etwas wehmütig. Viele Pilze kämen in diesem Jahr möglicherweise gar nicht mehr, da die Nächte zu kalt seien und es zu lange trocken war. "Die Pilze brauchen Feuchtigkeit, aber keine kalten Füße". Dagegen tun könne man nichts. "Ich muss mich der Natur beugen, fand selbst in fast zwei Stunden kaum etwas", so Sacher. Der September sei im letzten Jahr gut gewesen, dieses Jahr sehr schwach. Die Natur bestimme, ob das im kommenden Jahr Folgen habe. -
Gleiche Chancen für unsere Kinder
Autor: Jan Lindenau
Der Skandal besteht unverändert fort. Noch immer hängen Bildungschancen in Deutschland stärker als in anderen Ländern von der sozialen Herkunft der Eltern ab. Der Zugang zu Bildung, einer gesunden Umgebung, einem behütetem Aufwachsen und Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe wird insbesondere wegen der schwierigen Haushaltslage der Kommune immer wieder eingeschränkt. -
CDU setzt Akzente
Autor: Andreas Zander
Die letzte Sitzung der Lübecker Bürgerschaft ist vor allem durch Initiativen der CDU-Fraktion geprägt worden. Sei es zum Erhalt aller Stadtteilbüros, Sauberkeit im Carlebach-Park, der Problematik mit öffentlichen Toiletten in Lübeck, einer Modifizierung der Sportstättennutzungsgebühr oder dem Vorantreiben der Umgestaltungen von Schlutuper Markt und Brolingplatz - die CDU hat vielfältige Anträge eingebracht, die eines gemeinsam haben: Sie handelten von Lübeck. Dies unterscheidet uns zum Beispiel von B'90/Die Grünen und der Fraktion Die LINKE, die sich ihrer Verantwortung für unsere Stadt offenbar nicht bewusst sind und es erneut vorzogen, die Bürgerschaft mit bundespolitischen Themen zu belasten. Natürlich war es nicht allen Anträgen vergönnt, beschlossen zu werden. Im Rahmen der Debatte um die Fremdenverkehrsabgabe, deren sofortiger Planungsstopp von der CDU gefordert wurde, rückten SPD & Co. schließlich mit ihren neuen Plänen heraus. Nicht nur Travemünde, auch die Lübecker Innenstadt soll mit der Zwangsabgabe zusätzlich belastet werden. Die CDU wird auch zukünftig nicht müde werden, sich gegen eine Umsetzung dieses mittelstandsfeindlichen Wahnsinns einzusetzen. Im höchsten Grade feige agierte die Bürgerschaftsmehrheit übrigens, als sie einen Bericht des Bürgermeisters zu den Priwallfährtarifen auf die Zeit nach Bundes- und Landtagswahl vertagte. Ein mit vertagter CDU-Antrag empfahl die Deckelung der Tarife, hier hätte die SPD Gesicht zeigen müssen. Bei uns ist es dagegen egal, ob vor oder nach der Wahl: Die CDU-Bürgerschaftsfraktion steht zu ihren Beschlüssen für Lübeck. -
Geht doch!
Autor: Karl-Heinz Haase
Immer mal wieder begegnete mir während der letzten Jahre der bedeutungsschwere Satz "Das geht nicht". Es begann mit dem unerträglichen Lärm der Speedboote auf der Lübecker Bucht. Das Problem sei unlösbar, da könne man nichts machen, es gehe nicht, hörten wir ein paar Jahre lang aus Berlin. Dann aber ging es plötzlich doch. Seit 2009 haben wir jene lokale Lärmschutzverordnung auf dem Wasser, die man zuvor für völlig unmöglich hielt. Ein anderes Beispiel aus unserer Gegend ist die Herreninsel. Der Fortbestand der Wohnsiedlung sei undenkbar, weil "rechtlich" mit dem Ausbau des Hafens (Nachtbetrieb) unvereinbar. Die Häuser müssten weg. So intonierte es die gesamte Verwaltung der Hansestadt, Bürgermeister sowieso. Aber diesem Verdikt konnte abgeholfen werden. Es geht nämlich doch. Wir haben entsprechende Urteile des Bundesverwaltungsgerichtes ausgegraben - und ganz schnell war die Luft aus der amtlichen Blockadehaltung raus. Der Stadtwald, das dritte Beispiel, erweist sich als der absolute Dauerbrenner im "Das-geht-nicht-Spiel". Das Projekt unseres Ökowaldes erfreut sich europaweiter Anerkennung. Es hat lange gedauert, bis sich das nach Lübeck herumgesprochen hat. Die entscheidende Botschaft aber ist hier noch nicht an- -
Anwohner werden weiter hingehalten!
Autor: Wolfgang Drozella
Seit vielen Jahren wird vom Bauamt der Stadt und der ehemaligen roten Volkspartei den Menschen erzählt, dass der Stadtteil St. Lorenz-Nord mehr Grünflächen und vernünftige Radfahr- und Fußwege erhalten soll. Nichts passierte bisher! Im letzten Jahr wurde der Brolingplatz statt begrünt - wie den Bürgern immer wieder versprochen - für viel, viel Geld neu asphaltiert. Auf unsere Ini-tiativen in der Bürgerschaft wurden dann endlich Gelder für die Neugestaltung des Brolingplatzes für den Haushalt bewilligt. Aber gleichzeitig mit der Bewilligung wurden die Gelder für den Brolingplatz vom Finanz- und Personalausschuss, deren Vorsitzender von der SPD gestellt wird, auf Eis gelegt. Die SPD und ihre Freunde wollten es so. Die damaligen Befürchtungen der FDP-Fraktion, dass somit die den Anwohnern gemachten Versprechen vom Tisch und bis zum "St. Nimmerleinstag" verschoben seien, wurden in der letzten Bürgerschaftssitzung wieder einmal bestätigt. Eine Anfrage, wie es mit den Plänen um dem Brolingplatz steht und wann endlich etwas getan wird, wurde von den Roten und ihren Freunden kalt lächelnd abgeschmettert und an den Bauausschuss verwiesen. Was der damit machen wird steht in den Sternen. Wir werden uns die Anfragen ersparen, was bisher an Geldern für St. Lorenz-Nord verplant wurde, wieviel Arbeitszeit von städtischen Mitarbeitern in die Pläne für den vernachlässigten Stadtteil gesteckt wurde, um nicht noch mehr Verärgerung bei den Bürgern aufkommen zu lassen. -
Neues Entwicklungskonzept Priwall
Autor: Hans-Jürgen Martens
Die Fraktion DIE LINKE sieht sich in ihrer Meinung bestärkt das Waterfront-Projekt abzulehnen. Wie in der Presse zu lesen war, gibt es ein touristisches Entwicklungskonzept, dass sich klar gegen die geplante Ferienanlage von Herrn Hollesen ausspricht. Wir stimmen Professor Feige vom Deutschen wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr, Verfasser des Entwicklungskonzeptes, in seinen Ausführungen zu einem naturnahen Tourismus auf dem Priwall, ausdrückliches zu. Diese Analyse deckt sich auch weitgehend mit den Forderungen der Bürgerinitiative auf dem Priwall (BIP), sie fordert schon länger ein naturnahes Konzept für den Priwall. Natürlich muss sich die Politik jetzt genau mit dem Entwicklungskonzept beschäftigen. Wie zum Beispiel Übernachtungen in alten VW-Bussen anzubieten wäre für "Althippies" zwar ein Urlaubstraum, aber für Familien mit Kindern wohl nicht so geeignet. Die Idee Ferienhäuser im Baustil der Region zu bauen kommt einer Intelligenteren Bebauung entgegen. Man könnte mit diesem Projekt "die Marke Schleswig-Holstein" auf dem Priwall aufwerten und nicht wie geplant eine unwiderrufliche Schädigung der Region herbeiführen. Sogar Wirtschaftssenator Halbedel Wolfgang Halbedel gibt zu, dass es bei dem Waterfront-Projekt Bedarf zu Nachjustierung gibt. Leider ist bei den anderen Fraktionen, außer bei den Grünen und Linken, die Forderung nach einem vernünftigen Bauen auf dem Priwall noch nicht angekommen. Eines steht für DIE LINKE fest: Mit uns wird es auf dem Priwall keine Orgie aus Beton und kein Urlaub abgestimmt auf die oberen Zehntausend geben. -
Thomas-Mann-Preis: Kreative Lösungen
Autorin: Ulrike Mildner
Die aktuell von Bürgermeis-ter Bernd Saxe ausgehandelte Verteilung des Thomas-Mann-Preises attestiert ein "Unentschieden" zwischen München und Lübeck: Wechselweise wird der Preis zwischen der bayerischen Landeshauptstadt und der Hansestadt Lübeck vergeben. Im Ergebnis wird der Preis für Lübeck deutlich teurer als beim jetzigen dreijährigen Verleihungs-Rhythmus. Im Kulturausschuss wurden auch Bedenken ob jährlich zu findender hochkarätiger Preisträger gehegt. Ergebnis der Diskussion: Beim zweijährigen Verleihungs-Rhythmus kommt Lübeck nur jedes vierte Jahr zu Ehren. Leider ist absehbar, dass das reiche München hier mit dem armen Lübeck keinen Konsens finden will. Andere Lösungen wurden offenbar gar nicht diskutiert. Denkbar wäre zum Beispiel, dass München jeweils zweimal den Preis vergibt, und dann im dritten Jahr Lübeck an der Reihe ist. Eine andere Variante könnte sein, dass sich beide Städte auf eigene Kategorien fokussieren: So könnte es Lübeck z. B. besonders gut anstehen, nur junge Künstler auszuzeichnen, während sich München auf die etablierten Größen mit einem finanziell höher ausgestatteten Preis konzentriert. Vorteil Lübeck: Deutliche Abgrenzung mit innovativer Botschaft ohne Gesichtsverlust bei geringerer Preisverleihungsfrequenz. Sicher sind noch andere kreative Ansätze denkbar. Deshalb wurde die Vorlage des Bürgermeisters zur erneuten Beratung an den Kulturausschuss zurückverwiesen: Kreatives Brainstorming nicht ausgeschlossen. Wir Bürger für Lübeck favorisieren solche Varianten, bei denen der Kleine dem Großen Paroli bietet und hanseatische Tugenden einsetzt. -
Lindenteller - immer im Kreis herum
Autorin: Dr. Hildegund Stamm
Erneut tagte der "Runde Tisch Radverkehr". Und ausgerechnet der "Fahrradbeauftragte" präsentierte dort einen neuen Auto-fixierten Entwurf zur Umgestaltung des Lindentellers, der zu einer deutlichen Verschlechterung für alle Radfahrer führt. Denn eine zusätzliche Ampelanlage an dem Kreisel soll den Autoverkehr erleichtern und ihm möglichst eine Grüne Welle bis in die Holstenstraße hinein bescheren. Fußgängern und Radfahrern wird als Bonbon eine höhere Sicherheit versprochen, wofür man schon einige Minuten Wartezeit hinnehmen könne, so die Bauverwaltung. Damit ist klar: Es gibt weiterhin keinen akzeptablen Lösungsvorschlag für diesen gemeingefährlichen Verkehrsknotenpunkt am Bahnhof und es könnte der Verdacht aufkommen, dass die präsentierten Entwürfe nur dem Zweck dienen, es bei der jetzigen Lösung zu belassen. Liegt es am falschen Ansatz? Muss man nicht vielmehr darüber nachdenken, ob es überhaupt sinnvoll ist, weiterhin einem ungebremsten PKW-Fluss in unsere schöne Altstadt den Weg zu bahnen? Geht der von der Klimabedrohung ausgehende Trend nicht allerorten dahin, Stadtzentren vom Autoverkehr zu befreien? Offenbar sind wir in Lübeck - nach der kurzen Phase der Pionierarbeit in den 90 Jahren - schon wieder weit zurückgefallen. Denn wir glauben doch tatsächlich, dass ausgerechnet unsere schönsten Zufahrtachsen Tag und Nacht durch Lärm und Abgase geschwängert werden müssen, damit die Bürger und Touris-ten auch genügend Lust zum Verweilen bekommen. Selbst New York setzt inzwischen auf Radverkehr und Vergrämung von Autos, während Lübeck noch von Staufreiheit träumt. Aufwachen!




