Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 22. Mai 2019

Ausgabe vom 01. August 2000

Die Mindestanforderungen erfüllt

Hansestadt lehnt Schließung des Tierparks ab - Paten kritisieren "Stern"

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Einweihung des neuen Bärengeheges mit (v. li.) dem Paten des Bären "Bruno", Carlo von Tiedemann, OK-Moderator "Helmi" und Stadtpräsident Peter Oertling; Foto: Privat

Ein Test des "Stern" brachte den Stein ins Rollen: Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte das Magazin seine Untersuchung von 39 Zoos in ganz Deutschland - der Lübecker Tierpark kam auf den letzten Platz mit der Beurteilung "miserabel". Wörtlich schrieb das Blatt: "Ein Zoo, für den es nur noch einen Ausweg gibt: die sofortige Schließung." Darüber wird jetzt in der Hansestadt diskutiert.

Deshalb hat Bürgermeister Bernd Saxe die zuständige Innensenatorin Dr. Beate Hoffmann aufgefordert, in dieser Woche einen Bericht darüber vorzulegen, in welchem Zustand sich der private Zoo befindet und welche rechtlichen Vorschriften zu beachten sind. Gegebenenfalls solle Hoffmann Handlungsempfehlungen geben.

Zuvor hatte die Senatorin bereits angekündigt, mit allen Beteiligten - Tierparkgesellschaft, Tierparkbetreiber, Amtstierarzt und dem Landesamt für Natur und Umwelt - bei einer Begehung Lösungsmöglichkeiten für den Fortbestand des Tierparks und mögliche Verbesserungen zu erörtern.

Der Hansestadt Lübeck obliegen die Aufgaben nach dem Tierschutzgesetz für die Haltung von Tieren in Zooeinrichtungen. Hierzu gehört die Genehmigung für den Tierpark nach dem Tierschutzgesetz und die laufende Überwachung der tierschutzgerechten Haltung. Kontrolliert werden Haltungsbedingungen, der Ernährungszustand und die Gesundheit der Tiere. Die Überprüfungen werden vom Amts- tierarzt vorgenommen. Vier bis sechs Mal jährlich wird kontrolliert, darüber hinaus wird auch Beschwerden nachgegangen. Daneben ist das Landesamt für Natur und Umwelt für die Genehmigung von Gehegen für die artgerechte Unterbringung von exotischen und artgeschützten Tieren zuständig.

Nach den derzeitigen Erkenntnissen der Amtstierärztin sind die Haltungsbedingungen der Tiere unter dem Aspekt der zu erfüllenden Mindestanforderungen tierschutzrechtlich nicht zu beanstanden. Dies bedeutet jedoch nicht, daß der Tierparkbetreiber und die Tierparkgesellschaft nicht bemüht sein sollten, für den Gesamteindruck und die Gestaltung der Tierparkanlage Verbesserungen herbeizuführen.

Dies ist seit 1993 kontinuierlich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten geschehen. So wurde der Tierbestand verringert und Tiergehege vergrößert, zum Teil auch neu gestaltet. Die Auflagen des Landesamtes wurden erfüllt. Eine Schließung des Tierparkes wird daher von seiten der Stadt nicht erwogen.

Hans-Jürgen Schubert von der Grünen-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft hat unterdessen in einem offenen Brief an Senatorin Dr. Beate Hoffmann angeregt, den Arbeitskreis aus Politik, Verwaltung und zuständigen Verbänden wieder einzuberufen, der 1993 mehrmals getagt hatte. Dieser Arbeitskreis solle sich allerdings nicht auf eine "laienhafte Inaugenscheinnahme" verlassen, sondern sich die "derzeit anerkannten Kriterien für die Ausstattung zoologischer Gärten" ansehen. Bei Berücksichtigung dieser Kriterien kämen zwei Möglichkeiten für den Tierpark in Betracht: Entweder die Schließung oder eine Funktion als Auffang- und Pflegestation, wobei weniger die Schaustellung dabei im Vordergrund stehe, sondern vielmehr die art- und individuengerechte Haltung. Eine Schließung sei allerdings schwierig, weil sich kaum ein Zoo finden werde, der die Tiere aus Lübeck aufnimmt. Und ein Auswildern der lang- jährigen Zoo-Insassen sei ebenfalls nicht möglich. Dagegen hat Antje Jansen, fraktionsloses Bürgerschaftsmitglied, kategorisch die Schließung des Tierparks gefordert. Lediglich der Spielplatz solle erhalten bleiben.

Der stellvertretende Stadtpräsident Peter Sünnenwold, CDU, sieht eine gezielte Kampagne:"Hier wird ein Skandal erzeugt, der keiner ist." Diejenigen, die jetzt den Tierpark kritisieren, sollten lieber etwas für ihn spenden, so Sünnenwold.

Aufgrund der Presseberichte hat die Staatsanwaltschaft Lübeck Vorermittlungen gegen die Tierparkbetreiber eingeleitet. Die vielen prominenten Paten lassen sich davon allerdings nicht abschrecken: Ob "Tagesschau"-Sprecher Jan Hofer, der Rundfunk- und Fernsehmoderator Carlo von Tiedemann oder Schlagerstar André Parker, sie alle haben ihre Patenschaft bekräftigt und nehmen die Negativberichterstattung zum Anlaß, sich künftig noch stärker für den Zoo in Israelsdorf einzusetzen. Außerdem kritisierten sie in einer Sendung des Offenen Kanals (OK) Lübeck am Sonnabend die "einseitige, schlecht recherchierte" Berichterstattung des "Stern".

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